Allein, allein - Im Rausch des Hippie-Herzens (Scarlett Keeling)
Shownotes
278: Murder on the Map | Goa gilt als das pulsierende Hippie-Herz Indiens. Vielleicht sogar der ganzen Welt. Bekannt für tiefe Spiritualität, grenzenlose Freiheit, dröhnende Partys und endlose Sandstrände. Doch ebenso für Drogen, Grenzenlosigkeit und den Verlust von Kontrolle.
Mitten in diesem Spannungsfeld – zwischen der Licht- und Schattenseite Goas – balanciert die 15-jährige Scarlett Keeling unbehelligt durch die Nacht. Eine Nacht erfüllt von basshaltiger Musik, einem Rausch nach dem anderen und etlichen flüchtigen Begegnungen.
Viele Augen ruhen auf dem blonden Mädchen. Jedoch die Falschen — die, die hinschauen und gleichzeitig lieber wegschauen. Und die, die Bösartiges im Sinn haben.
Und so ist Scarlett nicht unbeobachtet — und doch ohne Schutz. Ein Balanceakt der noch vor Morgengrauen kippt. Und das unwiderruflich.
⚠️ Triggerwarnungen: • Explizite Gewaltdarstellungen • Gewalt an Jugendlichen • sexualisierte Gewalt
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💌 Postfach: Laura Regenauer, PO102602, 68026 Mannheim
Nicht vergessen: Am Ende der Folge erwartet euch ein „Gänsehaut to Go“-Moment aus unserer Community & die besten Outtakes der Folge ❤️
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Transkript anzeigen
00:00:17: Es ist früh am Morgen in Goa.
00:00:19: Die Partys sind vorbei, die Musik längst verstummt.
00:00:23: Am Strand liegen noch leere Flaschen, der Sand ist zertrampelt von einer Nacht, die viel zu lang war.
00:00:28: Vereinzelt sitzen Menschen herum, andere tauben nach Hause.
00:00:33: In diesen Stunden wirkt Anjuna friedlich.
00:00:35: Ungefährlich.
00:00:37: Und genau das ist trügerisch.
00:00:39: Denn irgendwo zwischen Strandbars, dunklen Parkplätzen und dem warmen Wasser des indischen Ozeans befindet sich eine junge Person, sichtbar betrunken, orientierungslos, allein.
00:00:51: Menschen sehen sie, manche sprechen mit ihr, manche helfen kurz, doch dann gehen sie weiter.
00:00:58: Was in diesem Moment passiert, wird später unterschiedlich erzählt.
00:01:02: Als Missverständnis, als Unfall, als etwas, das man so nicht genau habe kommen sehen.
00:01:09: Doch diese Nacht hinterlässt eindeutliche Spuren.
00:01:12: In Aussagen, in Akten, am Strand.
00:01:15: an einem Körper.
00:01:17: Und damit ein herzliches Hello an unsere True Cram Junkies.
00:01:21: Willkommen zurück bei Eis in der Dark.
00:01:24: Euren Blick ins Dunkel der Waren Verbrechen.
00:01:27: Ich bin Sarah
00:01:28: und ich bin Laura und jeden Sonntag öffnen wir für euch ein neues Kapitel echter Kriminalfälle.
00:01:33: Ab und an recherchieren wir Fälle direkt vor Ort, während wir selbst auf Reisen sind.
00:01:38: Diese Episoden nennen wir Murder on the Maps.
00:01:41: Für sie sprechen wir mit Menschen, die uns einen Blick hinter die Kulissen ermöglichen, über kulturelle Unterschiede, lokale Gegebenheiten und gesellschaftliche Strukturen.
00:01:52: So kommen wir dem Geschehen näher als sonst und können die Geschichten greifbar machen.
00:01:57: Auch hier natürlich immer mit dem Bewusstsein, dass hinter jedem Fall echte Menschen stehen, deren Leben für immer verändert wurde.
00:02:04: Und jetzt macht es euch bequem, stellt euch euren Eislatte bereit, und taucht mit uns ein ins Dunkel.
00:02:16: Laura, das ist jetzt unsere erste Folge, die wir im neuen Jahr auch tatsächlich aufnehmen.
00:02:21: Ja, ja, krass irgendwie.
00:02:24: Ja, wie fühlt sich das für dich an?
00:02:26: Ich hab gerade überlegt, ob sich's anders anfühlt.
00:02:29: Mhm.
00:02:29: Aber gar nicht.
00:02:30: Also, weil du bist wieder in Indien unterwegs.
00:02:34: Ja.
00:02:34: Wir nehmen
00:02:36: Remote miteinander auf, aber das fühlt sich mittlerweile auch schon total normal an.
00:02:40: Ja.
00:02:40: Deswegen
00:02:41: ... Ja, nee, ich fühle mich einfach gut mit dir, heute aufzunehmen.
00:02:45: Ja, New Year's Same Story eigentlich.
00:02:48: Ja.
00:02:49: Also ich sitze wieder hier und versuche, Motorräder und Hunde zurückgehen.
00:02:55: Ja.
00:02:56: Und du musst das Ganze eben erdulden.
00:02:58: Und jetzt, wo auch alle wissen, dass du wieder in Indien bist, bist du uns ja auch noch eine kleine Antwort schuldig.
00:03:05: Und zwar, ich weiß es schon, aber wie wart denn dein Silvester im Flugzeug?
00:03:10: Ja, also.
00:03:12: Mann, es war so enttäuscht und ich hab so erwartet, dass da irgendwas kommt, aber es kam gar nichts.
00:03:18: Zero,
00:03:18: also wirklich gar nichts.
00:03:19: Wir sind dann in Mumbai gelandet und dann meinte der Pilot, als wir schon gelandet waren, wir wünschen schönen Aufenthalt in Mumbai.
00:03:29: Wir kommen in Indien, in der Happy New Year.
00:03:33: Und ich war so, ja, wow.
00:03:34: Danke dafür.
00:03:36: Und er hat es nicht mal begeistert gesagt.
00:03:38: Also ich war schon so ein bisschen so, naja.
00:03:40: Also, ich hab schon auch deutlich mehr erwartet, muss ich zugeben.
00:03:44: Ich weiß auch gar nicht, was ich erwartet hätte, ne?
00:03:46: Also, dass sie da nicht rauskommen mit irgendwie Wunderkerzen oder so, das war ja klar.
00:03:50: Aber irgendwie hab ich schon was erwartet.
00:03:52: Ich hab schon auch was erwartet.
00:03:53: Ich weiß, wie du auch nicht was, aber ich dachte vielleicht, weiß nicht, wird da ein kleiner Sekt verteilt oder ... Ja,
00:03:59: das hab ich auch gedacht.
00:04:00: Vielleicht so ein kleiner Flashmob von den Styrdissen.
00:04:03: Ja.
00:04:04: Auch nicht.
00:04:05: Mal ja mal was einstudieren können.
00:04:07: Ja, wirklich so.
00:04:09: Ja, schade.
00:04:10: Ja, aber es hat ja jeder geschlafen.
00:04:11: Es war ja halt auch ein Nachtflug.
00:04:12: Also ich weiß auch nicht, wie geil das dann angekommen wäre.
00:04:15: Und irgendwie jedem Sekt auch schenken ist halt auch so, dann will jemand keinen Sekt.
00:04:19: Alle Getränke sind sowieso vor free, also irgendwie auch nicht so special.
00:04:23: Ja, ja, okay.
00:04:25: Na ja.
00:04:26: Aber es war ein angenehmer Flug und...
00:04:29: Das ist die Hauptsache.
00:04:30: Ja, das hab ich mir dann auch gedacht.
00:04:32: Aber ja, so alles in allem war es ein bisschen enttäuschend.
00:04:35: Ja, schade.
00:04:37: Ja, fand ich auch.
00:04:39: Aber, da wir das jetzt einmal abgehakt haben, Laura, ich habe heute eine Frage an dich.
00:04:46: Bevor du von mir als quasi direkte Augenzäugeln mehr über Indien als Reiseziel erfahren hast, also wenn du jetzt an eine Urlaubsreise oder Reise nach Indien gedacht hättest, was wären dann da so die ersten Gedanken gewesen, die da hochgekommen wären?
00:05:02: Ich glaube als allererstes Reizüberflutung, weil ... Ich mir in Indien sehr viel vorstelle, also erstens viele Menschen, viele neue Eindrücke, viele Gerüche, viel neues Essen, ganz andere Kultur, also einfach von allem viel.
00:05:19: Also ich glaube, das ist sehr einnehmend, wenn man da das erste Mal hinreißt.
00:05:25: Also das man vielleicht auch so gar nicht weiß, wo schaue ich als erstes hin und wo gehe ich als erstes hin und... Ich muss auch schon sagen, dass ich
00:05:40: immer
00:05:40: das Gefühl hatte, oder das war zumindest das, was ich halt so online gelesen habe, dass es für Frauen nicht so sicher ist, da hinzureisen.
00:05:49: Mhm.
00:05:50: Aber da hatte ich eben auch jetzt keine Erfahrungsberichte drüber, sondern wirklich nur so, was man vielleicht mal so gehört hat, was zu hören sagen ist.
00:05:59: Ja, Indien ist vielleicht ein bisschen gefährlich als Frau allein, aber ...
00:06:02: Ja.
00:06:03: Das war genau das, was ich auch im Kopf hatte.
00:06:05: Mir wurde beispielsweise von ganz vielen Seiten gesagt, ich soll auf jeden Fall aufpassen, ich soll da auf gar keinen Fall alleine hinreisen.
00:06:13: Und das wurde mir beispielsweise bei anderen Reisezielen deutlich weniger gesagt, was dann ja schon irgendwie so mit zu tun hat, dass ja, so einfach der Ruf für Indien als Reiseziel ... schon so ein bisschen schlechter ist.
00:06:34: Und Sarah, du bist jetzt auch nicht das erste Mal in Indien.
00:06:38: Du warst ja jetzt schon häufiger dort.
00:06:40: Und deswegen würde mich interessieren, also warum glaubst du, dass Indien als Reiseziel international so einen schlechten Ruf hat?
00:06:49: Also insbesondere für Frauen, was man hin und wieder hört.
00:06:52: Also ich glaube, dass die Antwort schon so eine Mischung ist aus schon auch realen Problemen, muss man ehrlicherweise sagen.
00:07:00: medialer Wahrnehmung, aber auch aufgrund von kulturellen Missverständnissen teilweise.
00:07:06: Also ich glaube, ein Teil dieses Bildes ist ziemlich verzerrt, ein anderer Teil aber schon leider auch sehr real.
00:07:13: Ich glaube, der wichtigste Faktor hier ist die öffentliche Sichtbarkeit von Gewalt gegen Frauen.
00:07:18: Also spätestens seit einigemal über Gruppenvergewaltigungen und Ermordungen von Frauen gesprochen wurde.
00:07:26: Sehr medienwirksam, sehr grafisch.
00:07:29: Beispiel ist hier für mich auch immer Jotty Singh, über sie haben wir ja gesprochen, in Folge twohundertdreißig.
00:07:35: Jotty ist auch bekannt als India-Storter, das war ja im Jahr zwölf.
00:07:40: Einmal zum Kontext, falls ihr die Folge nicht gehört habt.
00:07:44: Wir haben die damals zum Internationalen Weltfrauentag aufgenommen und das war wirklich ein ganz, ganz, ganz grauenvoller Fall.
00:07:53: Also das Ausmaß, die Brutalität und die Selbstverständlichkeit, mit der die Tat auch begangen wurde.
00:07:58: Das schreckt halt schon ab.
00:08:01: Und mehrere solcher Taten ging ja um die Welt, oft mit drastischen Bildern und Schlagzeilen.
00:08:06: Und natürlich prägen die dann auch das kollektive Bild stärker als vielleicht Statistiken.
00:08:12: Ja, ja.
00:08:13: Und ich kann das auch total verstehen.
00:08:15: Also ich hab von diesen Fällen auch gehört.
00:08:18: Und gerade so Gruppenvergewaltigungen, das ist ja schon was, wo man zum Beispiel jetzt bei uns weniger von hört.
00:08:25: Ich glaube, man hört so was dann, und das ist dann so fernab von der eigenen Realität, dass sich das wirklich so richtig in den Kopf einbrennt.
00:08:33: Und ich glaube gerade dieser Fall von Jotji, ich hab das Gefühl, dass jeder davon gehört hat irgendwie, dass jeder
00:08:39: diesen
00:08:39: Fall kennt.
00:08:40: Und dass es wirklich so als Aushängeschild manchmal gilt, dass man das halt wirklich dann so auf das ganze Land irgendwie bezieht.
00:08:49: Ja,
00:08:49: total.
00:08:50: Hinzu kommt dann natürlich das sexualisierte Gewalt in Indien.
00:08:53: schon tatsächlich auch ein strukturelles Problem ist.
00:08:56: Also es gibt immer noch sehr viele patriarchale Norm, extreme Machtgefälle teilweise zwischen den Geschlechtern, Schuldzuweisungen an Betroffene und schon halt oft auch so eine mangelnde Strafverfolgung.
00:09:09: Und das führt dann im Allgemeinen dazu, dass sich halt viele Frauen vor allem Alleinreisende im öffentlichen Raum vielleicht ein bisschen unsicherer fühlen.
00:09:19: Das betrifft dann natürlich vor allem Situationen, wie Nachts Alleine unterwegs sein.
00:09:23: öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen oder sich in männlich dominierten Räumen zu bewegen, obwohl das natürlich in vielen Ländern für unwohl sein sorgt.
00:09:33: Das muss man auch dazu sagen.
00:09:34: Also teilweise auch bei uns.
00:09:36: Ja, absolut.
00:09:37: Viele Touristinnen, die in Indien waren, berichten gar nicht mal unbedingt spezifisch bezogen auf direkte körperliche Gewalt, sondern viel mehr über dauerhaftes Angestarrt werden.
00:09:50: Belästigung, aufdringlichem Verhalten und Grenzüberschreitungen.
00:09:55: Und das muss ich schon auch sagen, dieses Angestarrtwellen ist je nachdem, wo man ist, schon so ein Ding.
00:10:03: Also gerade, wenn du als einzige Touristin, als einzige Europäerin beispielsweise, also die sich eben rein optisch unterscheidet, irgendwo unterwegs bist, dann haben die nicht so dieses Gefühl, dass Starren unhöflich ist.
00:10:20: Also, ich glaub, das wird auch gar nicht so wahrgenommen.
00:10:22: Sie schauen einfach.
00:10:23: Sie sind interessiert.
00:10:24: Also, das ist auch nicht, dass das nur Männer machen würden.
00:10:27: Bei Männern fühlt man sich halt deutlich unwohler.
00:10:29: Und ich unterstellen Männern dann oftmals auch einen ganz anderen Grund.
00:10:36: Und teilweise wird der auch schon deutlich.
00:10:38: Also, teilweise starren die dich auch wirklich eklig an.
00:10:41: Aber auch viele Frauen oder Kinder schauen.
00:10:44: Und das ist halt anders als bei uns.
00:10:46: Ja.
00:10:46: Und ich glaub, ein weiterer entscheidender Punkt ist die Angst im Ernstfall, keine Hilfe zu bekommen.
00:10:51: Also ich glaube, dass das auch immer wieder so ein Thema in den Medien ist, dass die Strafverfolgung halt in Indien relativ schlecht ist.
00:10:59: Und dass du da vor allem als Touristin nicht wirklich die Möglichkeit hast, jemanden zur Rechenschaft zu ziehen.
00:11:06: Weißt du, was ich mein?
00:11:07: Mhm, mhm,
00:11:08: ja, ja.
00:11:09: Dazu kommt dann halt auch, dass es in Indien deutlich weniger flächendeckende Anlaufstellen wie zum Beispiel Frauenhäuser gibt.
00:11:16: oder auch spezialisierte Beratungsstellen oder unabhängige Krisenzentren.
00:11:21: Also das gibt hier einfach nicht so viele Möglichkeiten, Hilfe zu bekommen.
00:11:26: Dann kommen natürlich eben aus so Sachen wie Sprachbarrieren, fehlende Ortskenntnis und lauter solche Dinge hinzu.
00:11:33: Und deswegen kann ich schon verstehen, dass man sich vielleicht als Touristin so ein bisschen allein gelassen fühlen kann und vielleicht deswegen auch einfach mehr Angst oder mehr Respekt hat, als wenn man alleine reisen geht.
00:11:46: im europäischen Raum beispielsweise, wo viele Dinge ja schon sehr viel ähnlicher sind.
00:11:52: Also ich glaube auch, ich würde mich mittlerweile, wenn ich nach Indienreise, viel besser fühle, weil ich deine Erfahrung kenne und auch weil ich wahrscheinlich dorthin reisen würde, wenn du und dein Partner vor Ort seid und ich dann einfach so ein Sicherheitsgefühl hätte, weil ich euch dabei hätte.
00:12:12: Ja, auf jeden Fall.
00:12:13: Weil das muss man schon sagen, also Klar, ich hab Indien jetzt auf eine wunderschöne Art und Weise kennengelernt, aber beide Seiten sind eben wahr.
00:12:22: Also ich hab das ja schon ganz, ganz oft gesagt, Indien ist wirklich so ein Land extremer Gegensätze.
00:12:28: Und für manche Frauen ist es eben ein zutiefst bereichernder spiritueller Ort.
00:12:36: Für andere ist es ein Ort permanente Anspannung und eben auch akuter Gefahr.
00:12:41: Und genau in diesem Spannungsfeld spielt sich auch die heutige Geschichte ab, um die es jetzt geht.
00:12:47: In diesem Indien der Gegensätze zwischen Freiheit und Kontrollverlust, zwischen Schutz und Wegsehen.
00:12:54: Ein fragiles Gleichgewicht und manchmal genügt ein einziger Abend ein falsches Vertrauen, ein Moment, in dem niemand eingreift, damit alles kippt.
00:13:05: Es ist Februar, zwei Tausend und acht.
00:13:08: Wir befinden uns dort wo auch ich mich gerade in diesem Moment, während wir diese Folge aufnehmen, befinde.
00:13:15: In Indien.
00:13:16: Gemeinsam reißen wir heute an einen Ort namens Anjuna im Norden Coas.
00:13:21: Das ist etwa zwölf Kilometer von dem Ort entfernt, in dem ich gerade lebe.
00:13:26: Und es ist tatsächlich der erste Ort, den ich besuchte, als ich Anfang letzten Jahres zum ersten Mal indischem Boden betrat.
00:13:34: Goa gilt für viele als ein guter Einstieg in Indien, besonders für Menschen, die zum ersten Mal in dieses Land reisen und aus einer völlig anderen Kultur kommen.
00:13:44: Ich würde sagen, Goa ist ein Ort, der den Kulturschock ein klein wenig abfedert.
00:13:50: Vieles fühlt sich hier vertrauter an als anderswo im Land.
00:13:54: Es gibt westliche Cafés, internationale Küche und eine Infrastruktur, die sich ein Reisender angepasst hat.
00:14:01: Indien wirkt hier zugänglicher, weniger überwältigend.
00:14:05: Aber auch für viele InderInnen selbst ist Goa etwas Besonderes.
00:14:09: Goa ist ein Ort, um dem Alltag zu entkommen, manchmal dem stark strukturierten und auch vorgeschriebenen Alltag.
00:14:17: Raus aus dem Lärm der Großstädte, raus aus den Verpflichtungen aus gesellschaftlichen Erwartungen.
00:14:24: Je her kommt man, um durchzuatmen, um langsamer zu werden, um Sorgen für eine Weile abzustreifen.
00:14:30: Man könnte also sagen, Goa ist ein Ort, der sich anfühlt wie ein Versprechen.
00:14:36: Palmen, die sich im warmen Wind wiegen, goldener Sand, der unter nackten Füßen knirscht, der indische Ozean, der Träge an den Strand rollt.
00:14:46: Die Luft riecht nach Salz und Räucherstäbchen.
00:14:49: Besonders tagsüber wirkt alles leicht, fast schwerelos.
00:14:53: Menschen aus aller Welt kommen hierher, um sich zu verlieren oder neu zu finden.
00:14:59: Goa verkauft Freiheit und für viele fühlt sich diese hier zum ersten Mal greifbar an.
00:15:05: Anjuna ist einer dieser Orte, an denen dieses Versprechen besonders stark wirkt.
00:15:10: Ein kleiner Küstenort im Norden Goas, bekannt für seine Klippen, den beiden Strand, die legendären Sonnenuntergänge.
00:15:18: In den Sechziger und Siebziger Jahren war Anjuna ein Zufluchtsort für Hippies, Aussteiger und Suchende.
00:15:24: Und es ist irgendwie auch heute noch.
00:15:26: Dieses Gefühl hängt noch immer in der Luft.
00:15:29: Bunte Tücher wehnen zwischen Strandhütten, Musik liegt permanent irgendwo in der Ferne, als würde der Ort selbst nie ganz zur Ruhe kommen.
00:15:38: Tags übersitzen Menschen barfuß in Strandcafés, trinken Chai oder eist Koffee, hier ist es ein bisschen touristischer, also gibt es auch vegane Milchalternativen, tauschen Lebensgeschichten aus und lachen gemeinsam.
00:15:52: Alles scheint offen, freundlich, grenzenlos.
00:15:56: Doch Anjuna, oder Goa generell, ist nicht nur Postkartenidole.
00:16:02: Sobald die Sonne untergeht, verändert sich der Ort.
00:16:05: Das Licht wird dunkler, die Musik lauter, die Nächte länger.
00:16:09: Aus Freiheit wird hier schnell Excess.
00:16:12: Aus Leichtigkeit wird Kontrollverlust.
00:16:14: Aus gelockerten Grenzen wird völlige Grenzenlosigkeit.
00:16:19: Partys ziehen sich bis in die frühen Morgenstunden, Alkohol fließt in Strömen, Drogen gehören für viele ganz selbstverständlich dazu.
00:16:28: Und auch ich beobachte das immer wieder.
00:16:30: Joints werden hier wirklich durch die Menge gereicht, als wäre es das Normalste der Welt.
00:16:36: Und ich habe schon des öfteren Menschen gesehen, deren Blick ziemlich abwesend und benommen wirkte, Also Menschen, die den Eindruck machten, sie hätten stärkeres als in Anführungszeichen nur Gras konsumiert.
00:16:51: Boah, krass, das hätt ich mit Indien irgendwie so gar nicht in Verbindung gebracht.
00:16:55: Ich weiß gar nicht
00:16:56: warum.
00:16:57: Ich glaube auch, weil relativ bekannt ist, dass die Drogengesetze hier sehr, sehr strikt sind und da ja schon teilweise auch stark und wirklich hart durchgegriffen wird.
00:17:09: Deswegen hätte ich das irgendwie auch gar nicht so erwartet, weil ich würde mich, selbst wenn ich das wollen würde, gar nicht trauen.
00:17:17: Aber in Goa kannst du das eben schon relativ bedenkenlos machen und du kommst auch relativ leicht an Stoff, sag ich mal, weil halt überall Menschen sind, die sehr offen konsumieren und ich glaube im Rest von Indien wird schon auch konsumiert, aber eben eher hinter verschlossenen Türen.
00:17:35: Also so ein bisschen heimlicher.
00:17:37: Ja, es klingt so, als wäre es da dann einfach ein bisschen geballt, so.
00:17:42: Ja, total.
00:17:43: Also was tagsüber noch sehr spirituell wirkt, bekommt nachts eine andere gefährliche Färbung.
00:17:51: Eine, du kennst mich ja, die mir auch nicht so gut gefällt.
00:17:56: Grundsätzlich lässt sich sagen, Indien ist für mich ein Land der extremen Gegensätze.
00:18:01: Schönheit und Brutalität.
00:18:03: existieren hier nebeneinander, manchmal nur durch eine ganz dünne Wand getrennt.
00:18:08: Tiefe Spiritualität steht neben bitterer Armut, Herzlichkeit neben Gleichgültigkeit, Sicherheit neben absoluter Schutzlosigkeit.
00:18:18: Und genau das macht Orte wie Anjuna so trügerisch.
00:18:21: Sie fühlen sich frei an, offen, harmlos, auch für mich, bis sie es eben irgendwann nicht mehr sind.
00:18:28: In genau diesem Anjuna zwischen Palmen, Partys und diesen Versprechen von Freiheit beginnt im Februar, die Geschichte von Scarlet Killing.
00:18:38: Einer fünfzehnjährigen britischen Touristin, die glaubt, einen Ort gefunden zu haben, an dem nichts passieren kann.
00:18:45: Und die nicht weiß, dass dieser Ort längst eine andere Seite zeigt, eine, die man erst erkennt, wenn es zu spät ist.
00:18:53: Was das bedeutet, wird Familie Keeling schon bald selbst erfahren müssen.
00:19:07: Irgendwie beginnt alles mit einem Strei zwischen der fünfzehnjährigen Scarlett und ihrer Mutter Fiona.
00:19:12: Scarlett bewegt sich inzwischen sicher in Goa.
00:19:15: Sie kennt die Strände, die Menschen, die Orte, an denen man sich trifft.
00:19:19: In den letzten Monaten hat sie sich ein Umfeld aufgebaut, Freundschaften geschlossen, Strukturen gefunden.
00:19:26: Goa ist für sie nicht mehr nur ein Reiseziel, sondern ein Ort, an dem sie sich auskennt und dazugehört.
00:19:32: Ihr zweites Zuhause fernab von Großbritannien, ihrem Ersten.
00:19:37: Und sie weiß, dass in wenigen Tagen am Anjuna Beach eine große Valentinstagsparty stattfinden soll.
00:19:44: Eine von denen, über die gesprochen wird, wenn man länger hier ist.
00:19:48: Für Scarlett ist diese Party kein isoliertes Ereignis.
00:19:52: Sie ist Teil dieses Lebens, Teil dieses Umfelds.
00:19:55: Dort sind ihre Freundinnen und Freunde Und auch ihr Freund, dort ist das soziale Gefüge, das sie sich aufgebaut hat.
00:20:02: Dorthin will sie zurück.
00:20:05: Unbedingt.
00:20:06: Nicht nur um zu feiern, sondern um weiterhin dazuzugehören, um nichts zu verpassen.
00:20:11: Doch es gibt ein Problem.
00:20:14: Erst vor wenigen Wochen ist ihre Familie aus Gora weggezogen.
00:20:17: Inzwischen haben sie ihre Sachen gepackt und sind weitergezogen nach Gorkana.
00:20:21: Die Gründe dafür sind klar.
00:20:24: Geld sparen, Abstand gewinnen, Ruhe.
00:20:27: Gorkana ist ein heiliger Ort.
00:20:29: Für viele Hindus ist er ein wichtiges Pilgerziel, bekannt für seine Tempel und religiösen Rituale.
00:20:36: Das Leben folgt hier festen Strukturen, Traditionen haben Gewicht, Regeln sind sichtbar.
00:20:42: Alles ist langsamer, kontrollierter, bodenständiger.
00:20:46: Für Außenstehende kann dieser Ort erdend wirken oder aber einengend.
00:20:51: Fakt ist, Im Vergleich zu Goa fehlt in Gorkana das Gefühl von grenzenloser Freiheit.
00:20:57: Partys, westliche Cafés, internationale Seen spielen hier kaum eine Rolle.
00:21:03: Stattdessen herrscht Einfachheit.
00:21:06: Für Scarlet's Mutter und den Rest der Familie bedeutet Gorkana Ruhe, Übersicht, eine notwendige Pause.
00:21:12: Für Scarlet hingegen fühlt sich diese Ort wie ein Rückschritt an, weg von dem Leben, das sie sich in Goa bereits aufgebaut hatte.
00:21:20: Und genau deswegen kommt es jetzt zum Streit.
00:21:24: Aus Sicht ihrer Mutter ist die Situation eindeutig.
00:21:27: Eine fünfzehnjährige allein auf eine fast vierstündige Reise von Gorkana zurück nach Goa zu schicken wegen einer Party kommt für sie nicht in Frage.
00:21:36: Es wiegt falsch, riskant, unverantwortlich.
00:21:40: Und ehrlich gesagt, so würden vermutlich die meisten Mütter entscheiden, auch jene, die ihren Kindern viel Freiheit lassen, aber irgendwo eine Grenze ziehen.
00:21:50: Aber Scarlett akzeptiert dieses Nein nicht.
00:21:53: Sie gibt nicht auf.
00:21:54: Immer wieder bringt sie neue Argumente vor, erklärt rechtfertigt verhandelt.
00:22:00: Sie versucht es mit Vernunft, mit Emotionen, mit Beharrlichkeit.
00:22:05: Und irgendwann sagt sie etwas, das dann den entscheidenden Unterschied macht.
00:22:10: Etwas, das bei ihrer Mutter einen Nerv trifft.
00:22:13: Scarlett erklärt, dass sie nicht irgendwo übernachten wird.
00:22:16: Sie sagt, sie werde bei der Tante ihres Freundes wohnen.
00:22:20: in einem Haus direkt am Strand, an dem auch die Party stattfindet und in ihrer Logik ergibt das Sinn.
00:22:26: Es bedeutet Sicherheit, sie wäre nicht allein, sie wäre nicht auf sich selbst gestellt, sie wäre im Haus einer erwachsenen Person, der sie vertraut.
00:22:36: Und sie müsste keine langen Wege zurücklegen, wäre die ganze Zeit in unmittelbarer Nähe.
00:22:42: Was könnte da schon schiefgehen?
00:22:45: Ihre Mutter lässt sich auf diese Logik ein.
00:22:47: Sie glaubt ihr und gibt nach langen Diskussionen nach.
00:22:51: Rückblickend beschreibt sie diesen Moment mit deutlichen Worten.
00:22:55: Sie hat mich komplett wahnsinnig gemacht.
00:22:57: Sie war wirklich unglücklich.
00:22:59: Eine große, schmollende Teenagerin, die mir das Leben richtig schwer gemacht hat.
00:23:04: So schildert sie das Verhalten ihrer Tochter unmittelbar, bevor sie schließlich zustimmt und Skalets Forderungen nachgeht.
00:23:12: Und ich glaube, das kennen wir alle.
00:23:14: Entweder die Rolle der deköpfigen Teenagerin, oder die der verzweifelten Mama.
00:23:19: Aber als ich das gehört habe, dachte ich mir trotzdem direkt, meine Mama hätte mir das niemals erlaubt.
00:23:27: Und ich weiß ja, deine Eltern waren schon auch relativ streng.
00:23:32: Ja.
00:23:33: Weswegen das bei dir wahrscheinlich auch keine Option gewesen wäre, oder?
00:23:36: Ich
00:23:36: glaube nicht.
00:23:37: Also das einzige Szenario, was ich mir vorstellen könnte, wo meine Mutter zugestimmt hätte, wäre, wenn sie diese Tante kennen würde oder gekannt hätte.
00:23:47: und da vielleicht auch eine Möglichkeit gehabt hätte, anzurufen und nachzufragen, ja, ob das alles so stimmt, wie ich das hier so erzähle.
00:23:54: Ja.
00:23:55: Dann könnte ich mir vorstellen, dass sie dann gesagt hätte, ja, okay, geh, aber wirklich nur unter diesen Voraussetzungen.
00:24:01: Ja.
00:24:02: Ja, für mich spielt da halt schon auch noch mit rein, dass das eine sehr lange Reise gewesen wäre.
00:24:08: Ja.
00:24:08: Also sie wäre da mehrere Stunden im Zug gesessen, allein.
00:24:11: Mhm.
00:24:12: Das weiß ich nicht, ob das meiner Mutter so gut gefallen hätte.
00:24:15: Und ... Ich dachte am Anfang auch, dass die Tante ein Pluspunkt ist.
00:24:21: Aber dann dachte ich mir, ich weiß nicht unbedingt, ob meine Mama mit fünfzehn gewollt hätte, dass ich bei der Tante meines Freundes schlafe, die dann ja vielleicht auch gar nicht so richtig schaut, wie mein Freund und ich irgendwie im Kontakt sind.
00:24:35: Also, schläft der Freund dann auch dort, mit fünfzehn beim Partner übernachten, ist irgendwie vielleicht auch noch so ein bisschen ... weiß nicht.
00:24:43: Also, ich glaub, meine Mama wäre da schon ... Streng gewesen, ich glaube, der hat das nicht so gut gefallen.
00:24:49: Ja, ja, ich glaube, meine All-in-All auch nicht so ganz.
00:24:53: Aber genau hier ist Kontext entscheidend, denn Scarlett wächst in einem Umfeld auf, das sich deutlich von dem unterscheidet, was viele von uns kennen.
00:25:03: Entscheidungen, Grenzen und Risiken werden in ihrer Familie ein klein wenig anders bewertet.
00:25:09: Und genau diese Unterschiede führen dazu, dass eine Entscheidung getroffen wird, die später eine fatale Bedeutung bekommen wird.
00:25:23: Aber um das Ganze ein bisschen besser einschätzen zu können, fangen wir am besten von vorne an.
00:25:29: Ihre Mutter Fiona McQueen lebt ihr gesamtes Leben in England.
00:25:33: Sie wird von einer alleinerziehenden Mutter in Sozialwohnungen großgezogen, in Verhältnissen, die wenig Stabilität bieten.
00:25:41: Später zieht Fiona nach Devon im Südwesten Englands Ein Ort, an dem sie nicht wirklich mehr Stabilität findet.
00:25:49: Fiona weht in den Medien als eine feurige, kompromisslose Frau dargestellt.
00:25:54: Sie sagt, was sie denkt und handelt, wie sie es für richtig hält, auch wenn es unkonventionell ist.
00:26:00: Konventionen spielen für sie kaum eine Rolle.
00:26:04: In und um Devon bringt Fiona neuen Kinder von fünf verschiedenen Männern zur Welt.
00:26:10: Mit keinem dieser Männer bleibt sie langfristig zusammen, Und unabhängig davon übernimmt auch keiner dieser Männer eine dauerhaft aktive Rolle im Leben der Kinder.
00:26:19: Fiona zieht sie daher weitgehend allein groß.
00:26:23: Für Scarlet bedeutet dieses Umfeld Freiheit ohne feste Leitblanken.
00:26:28: Ein Zuhause, das nicht durch Regeln oder Kontrolle geprägt ist.
00:26:32: Was gut ist.
00:26:33: Gleichzeitig bedeutet es aber auch viel Unruhe, Wechsel und Eigenverantwortung, was in diesem Alter nicht immer leicht und wohltunt ist.
00:26:42: Gleiches gilt für die von Fiona gewählte eher alternative Bildungsform.
00:26:47: Fiona entscheidet sich nämlich bewusst dafür, ihre Kinder größtenteils selbst zu unterrichten.
00:26:53: Sie zieht sie auf einem zwei Hektar riesigen Grundstück groß, fernab vom Rest der Zivilisation.
00:26:59: Die Familie lebt in Wohnwagen und alten Bussen, baut ihr eigenes Essen an und hält eigenes Vieh.
00:27:06: Pferde ziehen Ponys.
00:27:08: Es ist ein Leben abseits gesellschaftlicher Norm, geprägt von Selbstversorgung, Isolation und dem Versuch, sich den Versuchungen der Außenwelt zu entziehen.
00:27:18: Doch dieser Rückzug hält nicht ewig an.
00:27:21: Im Jahr die Familie legt diese Lebensweise vorübergehend auf Eis.
00:27:26: Für Jonah beschließt mit ihren Kindern nach Goa in Indien zu reisen, für ganze acht Monate.
00:27:33: Um diese Reise möglich zu machen, verkauft die Familie eines ihrer Ponys und spart jeden einzelnen Cent an staatlichen Kindergeld, den sie bekommen können.
00:27:42: Das Geld wird zur Eintrittskarte in ein völlig anderes Leben.
00:27:47: Mit nach Indien reisen die fünfzehnjährige Scarlett, ihre Mutter Fiona, Fionas damaliger Partner, der siebenundvierzigjährige Rob Clark sowie sieben weitere Geschwister und Halbgeschwister.
00:27:59: Nur der älteste Sohn bleibt in England zurück.
00:28:02: Acht vor neun Kindern machen sich gemeinsam mit der Familie auf dem Weg nach Goa.
00:28:06: Und nicht nur die Familie, sondern auch die Vorfreude ist groß.
00:28:10: Und so kommen sie hier an.
00:28:12: Da, wo ich mich gerade auch befinde, im Hippie-Herz Indians.
00:28:17: In Goa beginnt die Familie langsam, sich ein neues Leben aufzubauen.
00:28:21: Doch genau hier zeigen sich die Folgen von Fionas Offenem und wenig restriktiven Erziehungsstil besonders deutlich.
00:28:29: Fiona selbst trinkt gern und viel Alkohol.
00:28:34: Kaum irgendwo in Indien geht das leichter als in Goa.
00:28:37: Und sie weiß, dass auch ihre Kinder trinken und feiern und akzeptiert das.
00:28:43: Zwar mannt sie, ist nicht zu übertreiben und versucht sie von Drogenfern zu halten, am Ende überlässt sie diese Entscheidungen jedoch ihren Kindern selbst.
00:28:52: Dieses Verständnis von Freiheit zeigt sich auch in ihrem eigenen Auftreten.
00:28:57: Fiona kleidet sich auf eine Weise, die viele, darunter sogar ihr eigener Partner Rob, Im Indien des Jahres, als zu provokant empfinden.
00:29:06: Und im Jahr, das ist fast zwanzig Jahre her, war das nochmal ganz anders als heute.
00:29:13: Selbst in Orten wie Goa fällt Freizügigkeit damals deutlich stärker auf, schlicht weil sie sichtbar aus dem Rahmen fällt.
00:29:22: Heute weht Goa auf den ersten Blick sehr viel entspannter, kurze Röcke, tieferere Ausschnitte, schulterfreie Tops.
00:29:29: All das gehört inzwischen zum Straßenbild.
00:29:31: vor allem unter Touristinnen und Touristen.
00:29:34: Diese Form von Kleidung wird geduldet, sie ist präsent, aber auch heute bleibt sie nicht unbemerkt.
00:29:40: Blicke folgen trotzdem nicht immer wertend, nicht immer aggressiv, aber schon spürbar.
00:29:47: Der Umgang mit Freizügigkeit ist bei vielen Indern und Inderinnen einfach anders.
00:29:52: Auch bei den Frauen in der Familie meines Partners bedeutetlich, wie groß der kulturelle Unterschied ist.
00:29:58: Sie kleinen sich deutlich zurückhaltender, gar nicht körperbetont, gar nicht freizügig, sondern eben sehr traditionell.
00:30:06: Im Sarri oder Kurti bedeutet lange Hose und lange Tunica beispielsweise.
00:30:11: Ich frage nach, warum das so ist?
00:30:13: Warum sich viele Frauen hier so zurückhalten, kleiden?
00:30:17: Die Antwort, die ich bekomme, weil es von ihren Familien erwartet wird, vor allem aus einem Grund.
00:30:24: Schutz vor Männern.
00:30:26: Mir wird erklärt, dass Männerblicke nicht immer kontrollieren können, dass sie Kleidung als Einladung wahrnehmen, manchmal Grenzen überschreiten, sich nehmen, was sie wollen.
00:30:37: Kleidung wird dadurch nicht zu einer Frage des persönlichen Ausdrucks, sondern mehr zu einer Sicherheitsmaßnahme.
00:30:43: Viele Frauen wachsen mit der Vorstellung auf, dass ihr Körper Aufmerksamkeit provoziert und dass sie selbst dafür verantwortlich sind, diese Aufmerksamkeit zu vermeiden.
00:30:54: Angst spielt dabei eine zentrale Rolle.
00:30:57: Angst vor Übergriffen, vor Kommentaren, vor Blicken, vor Schuldzuweisungen.
00:31:03: Nicht weil jede Begegnung gefährlich ist, sondern weil das Risiko nie ganz verschwindet.
00:31:08: Viele Frauen würden sich gern freier kleiden, das sagen sie selbst.
00:31:12: Auch die Frauen in der Familie meines Partners.
00:31:14: Doch sie trauen sich eben nicht.
00:31:17: Oder nur sehr selten.
00:31:19: Zu tief sitzt das, was ihnen von klein auf beigebracht wurde.
00:31:24: Vor ein paar Tagen sind wir beispielsweise gemeinsam am Strand hier in Groa.
00:31:28: Es ist das erste Mal, dass Rajas Familie diesen Ort besucht.
00:31:32: Man muss wissen, sie kommen aus einem deutlich konservativeren Teil Indiens.
00:31:37: Am Strand tragen die Frauen Shorts und T-Shirts.
00:31:40: Keine Bikinis, keine kurzen Tops.
00:31:43: Und doch ist es ein großer Schritt für sie.
00:31:45: Die Shorts allein sind etwas Besonderes.
00:31:48: Stolz, erzählen Sie mir davon.
00:31:50: Für Rajas Schvegerin ist es das erste Mal in ihrem Leben, dass sie draußen Shorts trägt.
00:31:56: Oh krass.
00:31:57: Ja, ich fand das auch total krass, weil man ansonsten ja wenig Bührerungspunkte mit sowas hat und ja.
00:32:05: Sie hat das aber total genossen und sie war total stolz und man hat ihr das richtig angesehen.
00:32:12: und gleichzeitig gilt selbst das noch als gewagt.
00:32:17: Und zwar weil es ihnen so beigebracht wurde, weil es als unangemessen gilt, weil Zurückhaltung hier ist Teil von gutem Ton verstanden wird.
00:32:27: Mein Partner sagt, Indien hat das zu einem Teil seiner Kultur gemacht, doch was oft als Tradition bezeichnet wird, ist im Wahrheit Kontrolle.
00:32:36: Kontrolle über die Körper von Frauen, über ihre Kleidung, über ihren Raum.
00:32:40: Nicht weil Frauen es so wollen, sondern weil viele Männer gelernt haben, ihre Lust nicht zu hinterfragen und weil die Verantwortung dafür seit Generationen auf Frauen abgeladen wird.
00:32:50: Und wir befinden uns im Jahr ... Jetzt denkt mal, zwanzig Jahre zurück.
00:32:57: Diese Art von Offenheit ist damals total fremd.
00:33:02: Für Jonah kümmert das weniger.
00:33:04: Ungewollt setzt sie damit aber natürlich auch ein Vorbild für ihre Kinder.
00:33:08: Gleiches gilt für den Umgang mit bewusstseinsverändernden Substanzen.
00:33:12: Viele ihrer Kinder tauchen schon bald tief in die Party-Szene ein.
00:33:16: Alkohol gehört zum Alltag, einige von ihnen kiffen regelmäßig.
00:33:20: Andere greifen sogar zu härteren Drogen wie LSD oder Kokain.
00:33:25: Eines ihrer Geschwister bringt es später so auf den Punkt.
00:33:28: Scarlet ist ständig unterwegs, immer am Feiern, immer stoned, völlig weggetreten.
00:33:34: Es ist ein Bild, das sich immer deutlicher abzeichnet und das bereits früh erkennen lässt, wie gefährlich dieses neue Leben für eine Fünfzehnjährige ist, der kaum Grenzen gesetzt werden.
00:33:45: Während ihres Aufenthalts in Goa beginnen einige der Kinder zu arbeiten.
00:33:49: Sie wollen zum Familieneinkommen beitragen und sich zugleich eigenes Geld für Ausflüge und Unternehmungen verdienen.
00:33:56: Auch Scarlett nimmt eine Stelle an.
00:33:59: Sie beginnt für einen twenty-fünfjährigen Inder zu arbeiten, Julio Lobo, dessen genauer Name aber nicht eindeutig überliefert ist, in allen Quellen, die ich gelesen habe.
00:34:10: Wurde er aber Julio Lobo genannt, weswegen ich das im Folgenden genauso machen werde.
00:34:15: Er ist als Reiseführer selbstständig, für Touristinnen organisiert er Bootsfahrten und Schnorchelausflüge, bei denen sie die Meereswelt vor der Küste Goas erkunden.
00:34:25: Aus dieser Arbeitsbeziehung entwickelt sich nach und nach mehr.
00:34:29: Zwischen der fünfzehnjährigen Scarlet und dem fünfundzwanzigjährigen Julio entsteht eine romantische und sexuelle Beziehung.
00:34:38: Die beiden beginnen sich regelmäßig zu treffen und verbringen fast jede freie Minute miteinander.
00:34:44: Diese Beziehung bleibt aber nicht verborgen.
00:34:47: Ich habe ja vorhin schon mal erwähnt, dass Scarlett ein Partner hat und auch ihre Mutter Fiona weiß davon, ebenso ihre Geschwister.
00:34:58: Einige von Fionas eigenen Kindern äußern sogar deutliche Bedenken, vor allem wegen der ungewöhnlichen Konstellation, wegen des Altersunterschieds und der Tatsache, dass Scarlett und Rulio oftmals im selben Bett schlafen.
00:35:12: Also, bei mir sind auch direkt die Alarmglocken angegangen.
00:35:15: Als du gesagt hast, die ist fünfzehn, er ist fünfundzwanzig, dachte ich so, oh, das gefällt mir schon mal gar nicht.
00:35:20: Das habe ich mir auch gedacht.
00:35:22: Also, mir hat das auch gar nicht gefallen.
00:35:24: Aber Fiona ist davon überzeugt, dass ihre Tochter mit der Situation umgehen kann.
00:35:30: So sind Kinder hier eben, sagt sie, und gibt weiter an, dass Scarlett Spaß habe.
00:35:36: Sie würde dort mithelfen, essen, servieren und getränke.
00:35:40: Sie wäre offenbeliebt und komme eben gut mit Menschen klar.
00:35:44: Und ich muss schon sagen, das hast du ja eben auch direkt gesagt, fünfzehn und fünfundzwanzig.
00:35:51: Wir haben vorhin darüber gesprochen, ob unsere Mütter uns erlaubt hätten, bei der Tante unseres Partners zu Weihnachten im Alter von fünfzehn.
00:35:58: Wenn man jetzt aber hört, dass der Partner fünfundzwanzig ist, ich glaube, spätestens da wäre meine Mutter dann komplett raus gewesen.
00:36:06: Ja, meine auch.
00:36:07: Also, das setzt sie mir auf gar keinen Fall erlaubt.
00:36:10: In einigen Quellen heißt es, Scarlet habe einer Freundin anvertraut, dass sie emotional stark an Julio gebunden sei und sich irgendwie unter Druck gesetzt fühle, diese Beziehung aufrecht zu erhalten, um eben ihre Lebenssituation abzusichern.
00:36:24: Ich konnte hierzu keine verlässlichen Quellen finden, es ist also viel Hörnsagen, aber wenn das der Wahrheit entspricht, dann ist das eine sehr, sehr schlimme Aussage eines fünfzehnjährigen Mädchens, das verzweifelt ist, sich allein fühlt und glaubt, auf sich allein gestellt zu sein.
00:36:40: Wohin, das klingt wirklich richtig schlimm.
00:36:42: Ja, das finde ich auch.
00:36:44: Und währenddessen verbringt Fiona einen Großteil ihrer Zeit im Curlys, einer auch heute noch bekannten Bar in Anjuna, wo sie sich mit ihrem Partner auffällt, trinkt und kifft.
00:36:55: Zumindest saßen sie dort regelmäßig, bis die Familie eben entschied, in den Süden zu ziehen.
00:37:00: Alle bis auf Skalle, die in Anjuna bleiben will, um bei ihrem zehn Jahre älteren Freund Julio Lobo zu sein.
00:37:07: So schildert es Fiona zumindest.
00:37:10: Ihr damaliger Partner Rob zeichnet jedoch ein anderes Bild.
00:37:14: Seine Aussage nach will Scarlett vor allem deshalb bleiben, weil die Konflikte zwischen ihr und ihrer Mutter immer häufiger eskalieren.
00:37:22: Die Auseinandersetzungen geraten teilweise so außer Kontrolle, dass Scarlett zeitweise in ihr Zimmer gesperrt wird, um die Situation zu beruhigen.
00:37:31: beruhigen in ganz dicken Anführungszeichen.
00:37:34: Denn offensichtlich kühlt das die Situation nicht runter, sondern sorgt für mehr Zündstoff und eine wachsende Distanz.
00:37:48: Nachdem der Rest der Familie nach Gorkana gezogen ist und Scarlet mittlerweile wieder zurück in Goa ist, reist der Kontakt zwischen Mutter und Tochter nahezu ab.
00:37:58: Tage vergehen ohne Anrufe oder Nachrichten.
00:38:02: Erst kurz vor Valentinstag, entschließt sich Scarlett ihre Familie in Gorkana zu besuchen.
00:38:08: Doch auch dieser Besuch bringt keine Annäherung.
00:38:12: Im Gegenteil, die Spannungen zwischen den beiden Frauen bleiben bestehen, die Streitereien nehmen kein Ende.
00:38:18: In dieser Zeit erzählt Scarlett ihrer Mutter, dass sie Ketamin konsumiert hat, eine Substanz, die wegen ihrer hallucinogenen Wirkung missbraucht wird und auch als Betäubungsmittel oder Rape Truck, also Vergewaltigungsdroge, bekannt ist.
00:38:32: Während dieses Aufenthalts kommt es außerdem zu einem weiteren Zwischenfall.
00:38:37: Scarlett verunglückt mit dem einzigen Moppet der Familie, dass sie für ihre Wege nutzen.
00:38:43: Aber irgendwie, so drängt sie, muss sie ja wieder zurück nach Goa kommen.
00:38:47: Schließlich steht die Valentinstagsparty am Anjuna Beach bevor.
00:38:52: Und hier sind wir wieder am Anfang.
00:38:54: Scarlett bettelt ihre Mutter an, wieder nach Goa zurückzudürfen.
00:38:58: Sie verspricht vorsichtig zu sein, sie versichert, dass sie bei Rulius sehr bescheidener christlicher Tante wohnen werde.
00:39:05: Erklärt, die Unterkunft liege Sona am Ort der Party, dass sie kaum aus dem Blickfeld verschwinden kann.
00:39:11: Nach unzähligen Gesprächen gibt Fiona schließlich nach und erlaubt Scarlet, allein zurück nach Goa zu reisen, um den Valentinstag dort zu verbringen.
00:39:19: Doch kurz nach Scarlet's Abreise, am vierzehnten Februar, erhält Fiona ein Anruf, der alles verändert.
00:39:27: Ihr ältester Sohn, der in Großbritannien geblieben ist, hatte einen schweren Autounfall.
00:39:32: Innerhalb von Sekunden steht fest, dass die Familie deutlich früher als geplant nach Großbritannien zurückkehren muss.
00:39:38: Am siebzehnten Februar ruft sie Scarlet an.
00:39:41: Sie fordert sie auf, sofort nach Gorkana zurückzukehren, damit die Familie ihre Abreise vorbereiten kann.
00:39:48: Dieses Telefonat ist das letzte Gespräch zwischen Mutter und Tochter.
00:39:53: Und Laura, bevor wir ... uns jetzt dem Tatabend nähern.
00:39:59: Was ist denn momentan so deine Vermutung?
00:40:01: Was glaubst du, könnt ihr jetzt passieren?
00:40:05: Also, meine Vermutung wäre, dass ihr Partner, also das Garlitz Partner ihr irgendwas antut.
00:40:13: Vielleicht, sie hat ja geäußert, dass sie sich irgendwie nicht so von ihm lösen kann, weil sie ja ein bisschen abhängig von ihm ist oder das Gefühl hat, abhängig von ihm zu sein.
00:40:24: Und ich frag mich gerade, ob ... Nach dem Anruf ihrer Mutter, ob es dann zu dem Gespräch kam, dass sie eben geäußert hat, dass sie nach Großbritannien zurückreist mit ihrer Familie.
00:40:34: Und dadurch würde sie sich ja so seiner Kontrolle entziehen.
00:40:37: Und das wäre jetzt in meinem Kopf so ein mögliches Tatmotiv, dass er ihr dann möglicherweise das Leben genommen haben könnte, das wenn ihr zu meinen Einschätzungen bisher.
00:40:47: Ja, wir haben ja auch schon öfter mal in unserem Vorgehen darüber gesprochen, dass der Moment der Trennung beispielsweise, Ja, einer der gefährlichsten Momente für Frauen ist.
00:40:58: Weil da eben am häufigsten etwas passiert, eben genau aus diesen Gründen, die du genannt hast, weil sich die Frau dann final der Kontrolle des Mannes eben entzieht.
00:41:06: Und das könnte schon sein, dass das dann letztendlich dazu geführt hat, dass die Situation zwischen den beiden, die ja ohnehin nicht ganz unbelastet war, eskaliert ist.
00:41:18: Was ich auf jeden Fall schon mal erzählen kann, ist das Scarlet jetzt auf jeden Fall weiß, dass es ihre letzte Nacht in Goa ist.
00:41:26: Also eben auch eine letzte Gelegenheit auszugehen, Freunde zu treffen, das Nachtleben zu erleben.
00:41:32: Und deswegen möchte sie es so richtig krachen lassen.
00:41:35: Da Julio krank ist und zu Hause bleibt, verabredet sie sich mit einer Freundin, der sechzehnjährigen Niederländerin Ruby, mit der sie mittlerweile eng befreundet ist.
00:41:46: Die beiden machen sich gemeinsam in Ruby's Zimmer fertig, Sie kaufen einem Breezer in einem nahegelegenen Spirituosenladen, trinken ihn im Taxi und fahren schließlich in die nahen Bar in Wagathor, wo sie ein weiteres Getränk zu sich nehmen.
00:41:59: Die Bar ist noch ruhig, der Abend kommt nicht richtig in die Gänge.
00:42:03: Also wechseln sie den Ort.
00:42:06: In einer zweiten Bar trinken sie weiter.
00:42:08: Jede von ihnen ein Bier, dazu mehrere Shots.
00:42:12: Es dauert nicht lange, bis beide Mädchen deutlich betrunken sind.
00:42:16: Später sagt Ruby aus, dass sie in dieser Nacht keine Drogen gemeinsam konsumiert hätten.
00:42:21: Zugleich erklärt sie aber, dass Scarlett regelmäßig und häufig Cannabis rauchte und deshalb oft in Eindruck machte, dauerhaft berauscht zu sein.
00:42:31: Als der Alkohol wirkt, entscheidet Ruby schließlich, den Arm zu beenden und nach Hause zu gehen.
00:42:37: Scarlett begleitet sie zurück in ihre Wohnung, bleibt noch einige Minuten in ihrem Zimmer, dann macht sie sich auf dem Weg.
00:42:44: Zum Abschied umarmen sich die beiden lange.
00:42:47: Scarlet verspricht, dass sie sich bald wieder sehen werden.
00:42:51: Etwa gegen ein Uhr in der Nacht verlässt sie Ruby's Wohnung.
00:42:54: Sie beschließt, allein zum Anjuna Beach zu gehen und dort noch weiter zu feiern, bevor sie in ihr Zimmer zurückkehrt, denn das weiß bisher kaum wer, aber Scarlet lebt nicht bei Rolios Tante.
00:43:07: Sie hat sich ein eigenes Zimmer gemietet und so erwartet sie niemand.
00:43:12: Niemandem fällt auf, dass sie nicht nach Hause kommt.
00:43:16: Gegen zwei Uhr treißig in der Nacht setzt Rulio, der Scarlet in Wagathor, abruhlte sie in Anjuna direkt am Strand ab.
00:43:25: Die ersten unabhängigen Zeugenaussagen verorten Scarlet gegen etwa drei Uhr morgens in der Nähe des Luyshek am Anjuna Beach.
00:43:33: Mehrere Personen berichten später, sie habe stark betrunken gewirkt, sei unsicher auf den Bein gewesen und habe fremde Menschen angesprochen, um eine Mitfahrgelegenheit nach Hause zu bekommen.
00:43:44: Der Brite Michael Mannion sieht, wie Scarlett stürzt, direkt vor der Strandhütte.
00:43:49: Scarlett wirkt völlig weggedrehten, Mannion beißt, andere Männer an Abstand zu halten und hilft ihr selbst wieder auf die Beine.
00:43:57: Während er sie stürzt, spricht er mit ihr.
00:44:00: Scarlett erzählt ihm, sie habe Kokain konsumiert, etwas LSD genommen und außerdem zwei Exessipillen geschluckt.
00:44:09: Ja, sie steht wieder, doch ihr geht es nicht gut.
00:44:13: Eine Mitfahrgelegenheit findet sie aber nicht.
00:44:15: Niemand erklärt, sich bereit, sie nach Hause zu bringen.
00:44:19: Und so verschlägt der Scarlet in die Küche des Louis Shack.
00:44:22: Dort trifft sie auf mehrere Mitarbeiter der Strandbar.
00:44:25: Kölner, Köche, Barkeeper.
00:44:27: Sie bleibt bei ihnen.
00:44:29: Unter ihnen sind der eightundzwanzigjährige verheiratete Barkeeper Samson de Souza und der ältere angestellte Placido Cavallio.
00:44:37: Obwohl Scarlet bereits die Kontrolle verloren hat, konsumiert sie in der Küche gemeinsam mit den Männern weiteres Kokain.
00:44:44: Oder vielleicht genau deswegen.
00:44:47: Ein Mann namens Morali Saga, der dort Kellnath beobachtet die Situation.
00:44:51: Zu einem späteren Zeitpunkt fragt Scarlett ihn nach der Nummer ihres Freundes Julio Lobo.
00:44:57: Ob die beiden sich kannten, ist nicht bekannt.
00:44:59: Doch was sicher ist, ist das Saga, die Nummer des Mannes nicht hat.
00:45:04: Er könne sie aber ins Curly springen, schlägt er eher vor.
00:45:07: Scarlett lehnt ab.
00:45:09: Sie bleibt im Louis-Check.
00:45:11: Gegen vier Uhr verlässt der Besitzer die Bar, danach machen sich auch immer mehr Gäste und Gästinnen auf den Heimweg.
00:45:18: Die Bar lehrt sich nach und nach.
00:45:21: Zwischen vier Uhr und vier Uhr treißig befinden sich nur noch der Brite Michael Mannion, der Barkeeper Samson de Souza, Placido Havaglio, der Kellner Morali Saga und ein weiterer Angestellter sowie Scarlett Dort.
00:45:35: Gegen fünf Uhr bekommt Michael Mannion mit, dass Galeth scheinbar endlich eine Mitfahrgelegenheit gefunden hat.
00:45:42: Morali Saga erklärt sich bereits, Galeth nach Hause zu bringen.
00:45:46: Er nimmt sie mit hinaus, weg von der Bar.
00:45:48: Für einen kurzen Moment scheint es, als würde sie endlich in Sicherheit gebracht werden.
00:45:54: Doch der Schein trügt.
00:46:03: Als Michael Mannion kurz darauf selbst im Parkplatz hinter dem Luyshek überquert, um nach Hause zu gehen, sieht der Moralisager nicht mehr.
00:46:12: Stattdessen sieht er Skalett.
00:46:15: Im Licht des Scheinwerfers erkennt er, sie liegt auf dem Schotterboden des Parkplatzes, stark alkoholisiert unter Drogeneinfluss.
00:46:23: Ein Mann liegt auf ihm.
00:46:26: Manion erkennt sofort, wer es ist.
00:46:29: Es ist Samson de Souza, derselbe Barkeeper, der noch kurz zuvor mit Skalett-Kokain genommen hatte.
00:46:36: Michael Manion gerät in Panik.
00:46:38: Er ist geschockt, Er steigt auf seinem Motorrad und fährt weg.
00:46:42: Und ihr fragt euch nun vielleicht, was mit Morali Saga geschehen ist?
00:46:47: Später wird klar, als er Scarlet zum Parkplatz begleitet, taucht Samson de Souza aus der Bar auf.
00:46:54: Er packt Scarlet und fordert Morali Saga auf zu gehen.
00:46:57: Saga fühlt sich eingeschüchtert, hat Angst vor de Souza.
00:47:01: Er widersetzt sich nicht, er geht.
00:47:04: Und so lassen zwei Männer ein fünfzehnjähriges Mädchen zurück.
00:47:10: Und ich muss schon sagen, dass mich das sehr wütend gemacht hat, dass also keiner der beiden Männer eingeschritten ist.
00:47:20: Und bis zu einem gewissen Grad kann ich ja noch nachvollziehen, dass sie sich nicht mit Samson de Souce anlegen wollten.
00:47:28: Vor allem nicht, wenn dieser scheinbar sehr aggressiv war.
00:47:32: Aber die waren ja beide mit dem Auto beziehungsweise mit einem Motorrad unterwegs.
00:47:36: Und ... Sobald sie sich selbst in Sicherheit gebracht haben, hätten sie die Behörden informieren können, meiner Meinung nach.
00:47:43: Mischen, nicht können, müssen.
00:47:45: Ja, absolut, weil ich finde, das ist wirklich das Mindeste, was man in so einer Situation machen muss, dass man eben Hilfe holt, wenn man sich, wie du eben gesagt hast, eben nicht mehr selbst in akuter Gefahr befindet.
00:47:56: Ja, total.
00:47:58: Hinzu kommt Michael Mannion kennt Samson de Souza ziemlich gut, denn zu diesem Zeitpunkt lebt er im selben Haus, wie dieser.
00:48:06: gemeinsam mit dessen französischen Ehefrau.
00:48:10: Ob diese Beziehung oder diese Abhängigkeit eine Rolle spielt, lässt sich nicht belegen.
00:48:16: Fest steht nur, auch er greift nicht ein.
00:48:20: Damit endet die letzte bekannte Zeugenaussage, in der Scarlett Keeling gesehen wird.
00:48:26: Nur wenige Stunden später, gegen six Uhr treißig morgens, wird sie entdeckt.
00:48:32: Scarlett liegt mit dem Gesicht nach unten in den Wellen.
00:48:35: Halb nackt, ihre Bikinihose und ihre blauen Shorts sind verschwunden.
00:48:40: Sie trägt nur noch ihr schulterfreies rote Shirt.
00:48:44: Der Barkeeper, der Skalitz leblosen Körper findet, ruft nicht offen um Hilfe.
00:48:48: Er tätigt einen anonymen Anruf bei der Polizei.
00:48:52: Und was sich hier zeigt, ist etwas, das viele beschreiben, die Goa kennen.
00:48:57: Eine spürbare Vorsicht, eine Zurückhaltung sich einzumischen.
00:49:02: Niemand will in etwas hineingezogen werden, oder seine Nase in fremde Angelegenheiten stecken.
00:49:08: Und vor allem, man will nicht auf der falschen Seite stehen, weder bei den Locals noch bei der Polizei.
00:49:16: Diese Stimmung liegt bis heute in der Luft.
00:49:18: Also Goa ist ein Ort der Freiheit des Feiern der Exzesse, aber nur so lange mal mit den richtigen Leuten verkehrt.
00:49:27: Viele wissen, wer sich einmischt, öffnet womöglich ein Kapitel seines Lebens, das sich nicht mehr schließen lässt.
00:49:34: und so erklären manche später auch die Feigheit jener Männer, die in dieser Nacht wegsehen, der Brite und der Kellner.
00:49:42: Kurz darauf erscheint ein Inspektor der Goa-Polizei am Strand, Gernert Nyak.
00:49:48: Doch als die Ermittler den Tatort sichern, arbeiten sie äußerst unsorber.
00:49:53: Scarlet's Unterhose und ihre Shorts wird nicht gefunden, dafür ein paar orangefarbene Slipper, die nicht zu ihr gehören und einige Meter von ihr entfernt im Sand liegen.
00:50:04: Und dann steht der schwerste Schritt bevor.
00:50:06: Sie müssen Scarlet's Familie informieren.
00:50:10: Die Nachricht von Scarlet's Toe trifft ihre Familie wie ein Schlag.
00:50:14: Hastig machen sie sich von Gorkana auf den Weg zurück nach Goa.
00:50:18: Eine stundenlange Reise, die sich unter diesen Umständen vermutlich zieht wie Kaugummi und geplagt von Fragen sein wird.
00:50:25: Noch vor wenigen Tagen haben sie sich von ihrer Tochter verabschiedet.
00:50:29: Jetzt kehren sie zurück, um zu sehen, was von dem fröhlichen, lebendigen Mädchen geblieben ist.
00:50:36: Wie kann das sein?
00:50:37: Was ist passiert?
00:50:38: Wer oder was ist dafür verantwortlich?
00:50:41: Und vermutlich auch begleitet von vielen, was wäre, wenns?
00:50:46: Zumindest die Frage, was geschehen ist, soll nun geklärt werden.
00:50:50: Skalitz Leichnam wird zur Obduktion gebracht.
00:50:53: Der Patiologe Dr.
00:50:54: Silvano Specro untersucht den Körper der Teenagerin.
00:50:59: Er stellt zahlreiche Blutergüsse fest, erkennt deutliche Spuren eines Kampfes.
00:51:04: Für ihn ist klar, ein Unfall tot durch Ertrinken kann ausgeschlossen werden.
00:51:09: Doch was dann geschieht, erschüttert nicht nur die Familie.
00:51:12: Einen Tag nach der Obduktion tritt einer der leitenden Ermittler des Fais vor die Presse.
00:51:17: In seiner Erklärung sagt er das genaue Gegenteil.
00:51:20: Scarlet sei durch einen Unfall ums Leben gekommen, sie sei ertrunken.
00:51:25: Die Aussage sorgt für Entsetzen, Denn offensichtlich hatte der Pathologe etwas ganz anderes festgestellt.
00:51:33: Das, was nun offiziell verkündet wird, widerspricht dem, was der Körper des Mädchens bereits erzählt hat.
00:51:40: Für Fiona ist diese Theorie nichts als blanker Unsinn.
00:51:44: Sie ist für sie vollkommen unvorstellbar.
00:51:47: Als sie ihre Tochter in der Leichenhalle sah, begann sie zu zählen.
00:51:52: Ein Blutagos nach dem Andachen.
00:51:55: Am Ende sind es zweiundfünfzig.
00:51:58: Zweiundfünfzig Verletzungen, die für sie alle Nachspuren eines Kampfes aussehen.
00:52:03: In den offiziellen Polizeiberichten hingegen ist nur von fünf Blutergössen die Rede.
00:52:09: Fiona bemerkt außerdem schwere Verletzungen im Genitalbereich ihrer Tochter.
00:52:14: Spätestens dann weiß sie, dass, was die Polizei erzählt, ist nicht die ganze Wahrheit.
00:52:21: Als sie später den Tatort besucht, wird ihr noch etwas klar, und zwar, dass hier nicht wirklich gründlich gearbeitet wurde.
00:52:28: Ich habe doch vorhin erwähnt, dass Scarlet's Bikini Hose und ihre Shorts nicht gefunden werden.
00:52:33: Diese Kleidungsstücke liegen auch zwei Tage nach Scarlet's Fund noch immer auf dem Parkplatz neben dem Louis-Che.
00:52:42: Und gerührt, nicht sichergestellt, nicht untersucht.
00:52:46: Und sind wir ehrlich, allein das passt ja schon nicht zu der Version eines Unfalltodes durch ertrinken.
00:52:52: Für Fiona scheint ein anderes Szenario viel wahrscheinlicher.
00:52:56: Die Möglichkeit, dass ihre Tochter Opfer sexualisierter Gewalt wurde, drängt sich auf.
00:53:02: Auch für den Pathologen Dr.
00:53:04: Silvano Speckow ist die Pressekonferenz der Polizei ein Schock.
00:53:08: Er erklärt öffentlich, dass er gegenüber der Goa-Polizei ausdrücklich die Möglichkeit eines Tötungsdelikts angesprochen habe, eines sogenannten Homicidal Drownings.
00:53:19: Doch... So sagt er, der Leitende Ermittler habe ihn angewiesen, zu schweigen.
00:53:23: Der Fall soll er als Unfalltod behandelt werden.
00:53:27: Vielleicht auch aufgrund dessen führt Dr.
00:53:29: Speckow keine umfassende Untersuchung durch.
00:53:33: Ein vollständiger Vergewaltigungstest bleibt beispielsweise aus.
00:53:38: Auch lässt er mögliche DNA-Spuren, die sich auf oder ins Gallets Körper befunden haben, könnten nicht untersuchen.
00:53:44: Versäumnisse, die später schwerwiegen.
00:53:47: Für Jonah gibt dennoch nicht auf.
00:53:49: Sie kämpft unermüdlich für eine zweite Autopsy.
00:53:53: Am dritten März, fünfzehn Tage nach Scarlet's Tod, wird diese endlich durchgeführt.
00:53:59: Die Ergebnisse bestätigen für Jonas Vermutung.
00:54:02: Scarlet's Körper zeigt deutliche Anzeichen eines gewaltsamen Kampfes.
00:54:07: Massive Blutergüsse im Beckenbereich, Verletzungen am oberen Rücken, die darauf hindeuten, dass sie festgehalten und zu Boden gedrückt wurde.
00:54:16: Die Untersuchung weist außerdem mehrere Substanzen in ihrem Körper nach.
00:54:20: LSC, Kokain und Ecstasy.
00:54:23: Auch Wasser wird in ihren Lungen gefunden, doch die Menge reicht nicht aus, um einen Tod durch Ertrinken zu erklären.
00:54:29: Zudem ist das Wasser stark sandhaltig, ein Hinweis darauf, dass es in sehr flachen Wasser in ihre Lunge gelangt ist, nahe am Strand, an einem Ort, an dem ein Ertrinken eher unwahrscheinlich ist.
00:54:43: Natürlich könnte man hierzu argumentieren, dass sie ja schon sehr stark berauscht und weggetreten war.
00:54:50: Aber das würde ja die Blutergüsse dennoch nicht erklären.
00:54:55: Und was hier ja auch deutlich wird, ist, dass Scarlett eben nicht so weggetreten war, dass sie sich nicht mehr gewährt hatte.
00:55:03: Also es zeigen sich schon ganz deutlich eben Abwehrspuren.
00:55:10: Sie konnte vielleicht nicht mehr genau einordnen, was da gerade passiert, aber sie wusste auf jeden Fall, dass es nicht richtig ist und dass sie sich dagegen verteidigen muss.
00:55:19: Klar ist, Scarlett ist nicht ertrunken.
00:55:22: Sie stirbt auf eine andere Weise.
00:55:25: Die zweite Autopsie empfiehlt klar den Fall, als Tötungsdelikt zu behandeln.
00:55:30: Während Polizei und Politik in Goa zunächst alles daran setzen, eine Mordermittlung zu vermeiden und den Tod als tragischen Unfall darzustellen, wächst der Druck von außen.
00:55:40: Internationale Medien greifen den Fall auf.
00:55:43: Große Nachrichten sender weltweit berichten über Scarlett Kealings Tod.
00:55:47: Goa rückt ins Zentrum der Aufmerksamkeit, mit seiner Partyszene, seinem Drogenkonsum, seiner Schattenseite.
00:55:55: Auch innerhalb Indiens regt sich Widerstand.
00:55:58: Politiker aus anderen Bundesstaaten verurteilen die Ermittlungen als schockierend und beschämend.
00:56:04: Zu Recht.
00:56:06: Die damalige Frauenministerin, Renuka Tautri, fordert öffentlich, Verantwortliche zu Rechenschaft zu ziehen, sollte es Vertuschungsversuche gegeben haben.
00:56:16: Hier in Indien gibt es tatsächlich eine Frauenministerin, die für den Schutz von Frauen und Mädchen die Durchsetzung von Frauenrechten und den Umgang mit Gewalt gegen Frauen zuständig ist.
00:56:26: Sie überwacht Gesetze zu sexueller Gewalt, häuslicher Gewalt und Missbrauch, fordert Rechenschaft von Polizei und Justiz ein, und kann sich öffentlich in laufende Fälle einschalten, wenn der Verdacht besteht, dass Ermittlungen mangelhaft sind oder vertuscht werden.
00:56:43: Im besonders aufsehenerregenden Fällen nutzt sie ihre Position, um politischen Druck aufzubauen und unabhängige Untersuchungen zu verlangen, so auch in diesem Fall.
00:56:53: Mitte März bringt das dann endlich Erfolg.
00:56:57: Für ihre Familie ist es ein Moment der Erleichterung.
00:57:00: Endlich wird der Fall ernst genommen.
00:57:03: Nur vier Stunden nach Einrichtung des FIR nimmt die Polizei Samson de Souza fest.
00:57:09: Grundlage sind die Aussagen von Murali Saga, der Skalett nach Hause bringen wollte und von Michael Mannion, der gesehen hat, wie de Souza auf Skalett lag.
00:57:19: Wenige Wochen später folgt die nächste Festnahme.
00:57:23: Placido Cavallio, neununddreißig Jahre alt, der in jener Nacht gemeinsam mit Samson de Sousa und Scarlett in der Küche des Louis Sheck Kokain konsumiert hatte.
00:57:33: Anime zu beide Männern haft und warten auf ihre Prozesse.
00:57:37: Gleichzeitig wird einer der Ermittler und auch Dr.
00:57:40: Speckow von ihrem Posten entfernt.
00:57:43: Die ursprünglichen Ermittlungen gelten inzwischen als schwerwiegend fehlerhaft.
00:57:47: Sie haben Zeit gekostet, Vertrauen zerstört und Indien national und international in ein schlechtes Licht gerückt.
00:57:55: Eine komplett neue Ermittlungsgruppe übernimmt jetzt.
00:57:59: Im Juni, more als hundert Tage nach Scarlet's Tod wird der Fall schließlich an das CBI übergeben, in die ins wichtigste Bundes-Ermittlungsbehörde vergleichbar mit dem FBI in den USA.
00:58:12: Die Bundesbehörde beginnt von vorn.
00:58:15: Während das CBI den Fall neu aufrollt, passiert etwas, dass Scarlet selbst aber nicht mehr schützen kann.
00:58:22: Teile ihres privaten Lebens geraten nun an die Öffentlichkeit.
00:58:26: Auszüge aus ihrem Tagebuch.
00:58:30: Für viele Teenager ist ein Tagebuch ein geschützter Raum, ein Safe Space und für mich ja auch, um ehrlich zu sein.
00:58:37: Deswegen finde ich das irgendwie auch ganz besonders schlimm, dass das nun mit der Öffentlichkeit geteilt wird.
00:58:44: Ein Tagebuch ist ein Ort, an dem Gedanken und Gefühle ungefiltert existieren dürfen, ohne bewertet zu werden.
00:58:51: In einer Lebensphase voller Unsicherheit und innerer Widersprüche wird es zum Ventil, zum stillen Zuhörer, oft auch zum Ersatz für Gespräche, die man sich nicht traut zu führen.
00:59:03: Was daran steht, ist keine objektive Wahrheit, sondern ein Momentgefühl.
00:59:07: Übertreibungen, Zweifel und Widersprüche gehören dazu.
00:59:10: Gerade deshalb ist ein Tagebuch zu tiefst intim.
00:59:13: Es ist nicht für fremde Augen bestimmt.
00:59:17: Und doch kann sich nun jeder durch diese Zeilen wühlen.
00:59:22: Schon einer der ersten Einträge in ihrem Tagebuch, geschrieben kurz vor ihrer Abreise nach Indien, gibt ein Einblick in Scarlet's damalige Gedankenwelt.
00:59:31: Darin schrieb sie, war ein letztes Mal bei unseren Leuten und dann geht's für mich für sechs Monate nach Indien.
00:59:38: Ich bin langsam aufgeregt.
00:59:40: Ich war gestern auf einer Party, habe mich betrunken, bekifft und war auf Pilzen.
00:59:45: Ein späterer Eintrag entsteht, nachdem sie in Indien angekommen ist und Rulio kennengelernt hat.
00:59:51: Darin hält sie fest, wie sie ihm begegnet ist.
00:59:55: Auf der Vollmond-Party habe ich diesen Typen kennengelernt, Rulio.
00:59:59: Ich war ziemlich fertig, ich hatte eine Pille genommen und viel Wodka getrunken.
01:00:04: Ich erinnere mich nicht an allzu viel, aber es hat etwa zwei Wochen gedauert, bis Rulio und ich regelmäßig miteinander abgehangen haben.
01:00:12: Mit der Zeit verändert sich der Ton ihre Aufzeichnungen aber.
01:00:16: In einem ihrer letzten Einträge klingt erstmals deutlich zweifel an.
01:00:21: Scarlett schrieb, ich glaube, Julio benutzt mich einfach nur.
01:00:25: Er sagt, er liebt mich, aber ich glaube das nicht.
01:00:28: Er behandelt mich, es wäre ich nur wegen Geld oder wegen Sex bei ihm.
01:00:33: Ich will nach Hause, aber ich stecke fest.
01:00:37: Zwischen den Texten finden sich auch Zeichnungen unter anderem die Skizze eines Galgens.
01:00:43: Daneben formuliert Scarlett immer wieder ihren Wunsch, Goa hinter sich zu lassen und nach Hause zurückzukehren.
01:00:50: In einem Eintrag heiste schließlich, ich stecke fest, ich will nach Hause.
01:00:56: Ihre Einträge geben einen Einblick in den inneren Zustand eines jungen Mädchens, das offensichtlich mit etwas ringt.
01:01:03: Der letzte undertierte Eintrag lautet, ich weiß wirklich, wirklich nicht, was ich tun soll.
01:01:10: Ich wünschte etwas Großes würde passieren, um meine Entscheidung endgültig zu machen.
01:01:15: Hier wird deutlich, wie extrem ihre Situation tatsächlich war.
01:01:19: Skale trug all das allein, ohne Schutz, ohne Halt, ohne jemanden, der wirklich hin sah.
01:01:25: Doch jetzt, wo es zu spät ist, schaut jeder hin.
01:01:29: Und das besonders kritisch.
01:01:31: Wenn solche Tagebucheinträge öffentlich gemacht werden, wird ein Schutzraum zur Bühne und das, was helfen sollte, wird zum Maßstab für Urteile.
01:01:40: Und genau das passiert nun.
01:01:42: Plötzlich wird nicht mehr nur über ihren Tod gesprochen, sondern über sie, über ihr Verhalten, ihre Beziehungen, ihren Konsum, über das, was sie getan haben soll und darüber, was sie angeblich selbst verschuldet habe.
01:01:56: Scarlet wird zur Projektionsfläche, zu einer Fünfzehnjährigen, deren Lebensstil analysiert, zerlegt und bewertet wird.
01:02:04: Es hatte all das etwas mit der Frage zu tun, warum sie sterben musste.
01:02:08: Für Fiona ist das ein weiterer Schlag.
01:02:11: Nicht nur hat sie ihre Tochter verloren, nun muss sie mit ansehen, wie deren intimste Gedanken veröffentlicht werden.
01:02:18: wie ein Kind, das sich nicht mehr verteidigen kann, postum vor Gericht gestellt wird.
01:02:23: Nicht von einem Richter, sondern von Schlagzeilen.
01:02:26: Dabei ist die juristische Lage zu diesem Zeitpunkt klarer als je zuvor.
01:02:31: Zwei Männer sitzen in Untersuchungshaft, die Ermittlungen laufen offiziell wegen eines Tötungsdelikts.
01:02:37: Doch der Fokus verschiebt sich, weg von dem mutmaßlichen Tätern hin zu der Toten.
01:02:43: Und das kennen wir ja nur allzu gut, Täter-Opferumkehr nennt sich das.
01:02:48: Wenn Fragen wie, was trug sie, was nahm sie, warum war sie dort, warum war sie allein in den Fokus rücken und Scarlett entsprechend Schuld und Verantwortung auflasten.
01:02:59: Ich hab letztens auch was dazu gesehen, was sich sehr treffend fand, da hat jemand geschrieben, Patriarchat ist, wenn Alkoholkonsum beim Täter zur
01:03:08: Schuldminderung
01:03:09: führt und beim Opfer aber dazu führt, dass man sagt, selbst Schuld, wenn du so viel getrunken hast, so auf die Art.
01:03:15: Ja, ganz genau.
01:03:16: Und generell beschreibt Täter-Opferumkehr ein bekanntes Muster, das eben immer dann auftritt, wenn nicht das Handeln der Täter im Zentrum steht, sondern das Verhalten des Opfers.
01:03:28: Anstatt zu fragen, wer Gewalt ausgeübt hat und warum, richtet sich der Blick plötzlich auf Kleidung, Konsum, Entscheidungen oder den Aufenthaltswort von betroffenen Personen.
01:03:39: Verantwortung wird dadurch verschoben, weg von denen, die gehandelt haben, hin zu der Person, der etwas angetan wurde.
01:03:46: Diese Umkehr suggeriert, dass Opfer hätte durch sein Verhalten zur Tat beigetragen oder sie sogar provoziert.
01:03:53: Sie verharmlost Gewalt, relativiert Schuld und schützt Täter, indem sie deren Verantwortung unsichtbar oder zumindest weniger sichtbar macht.
01:04:02: Besonders perfide ist dieses Muster, weil es Betroffene im Nachhinein ein zweites Mal verletzt.
01:04:07: Nicht durch das Geschehene selbst, sondern durch die öffentliche Bewertung, die ihn Mitschuld zuschreibt.
01:04:13: Täter Opferumkehr, das muss man auch ganz klar sagen, ist kein Versehen.
01:04:17: Sie ist ein gesellschaftliches Reflexmuster, das Gewalt erklärbar machen will, anstatt sie einfach klar zu benennen.
01:04:24: Aber nicht nur Scarlet wird nach ihrem Tod ziziert, bewertet und infrage gestellt, auch ihre Mutter Fiona rückt schnell ins Zentrum der Kritik.
01:04:34: Teilweise, und das finde ich schwierig, wird sie härter verurteilt als die Männer, denen die Tat vorgeworfen wird.
01:04:41: Ihr Lebensstil, ihre Erziehung, ihre Entscheidungen werden öffentlich diskutiert, als ließe sich der Tod ihrer Tochter dadurch erklären oder rechtfertigen.
01:04:50: Dabei schließen sich zwei Dinge nicht aus.
01:04:52: Wir können da gerne im Aftertalk noch mal ausführlicher drüber sprechen.
01:04:56: Aber es ist natürlich legitim, für Jonas Umgang mit ihrer Tochter kritisch zu betrachten.
01:05:02: Ich finde es auch legitim zu sagen, dass mein Schutz, meine Aufmerksamkeit, mehr Grenzen nötig gewesen wären, aber es ist etwas anderes, ihr die Verantwortung für eine Tat zuzuschieben, die andere begangen haben.
01:05:15: Während Scarlet's Mutter Fiona mit dem weltweiten Gegenwind trinkt, der sich gegen sie und ihre Tochter richtet, arbeitet das CBI im Hintergrund weiter.
01:05:24: Still, ohne große Öffentlichkeit.
01:05:27: Schließlich erhebt die Bundesermittlungsbehörde Anklage gegen die zwei Männer, Samson de Sousa und Placido Cavallio.
01:05:36: Die Anklage umfasst mehrere Delikte.
01:05:39: Darunter fahrlässige Tötung, sexuelle Gewalt, Verabreichung von Drogen, sexuellen Missbrauch eines Kindes und die Vernichtung von Beweismitteln.
01:05:48: Doch genau diese Anklage trifft die Familie hart, denn fahrlässige Tötung ist juristisch etwas anderes als Mord und wird vor allem deutlich milder bestraft.
01:05:59: Mord setzt nach §.
01:06:00: Threehundert des indischen Strafgesetzbuches Vorsatzwissen und Planung voraus.
01:06:05: Fahrlässige Tötung hingegen beschreibt einen Tod ohne konkrete Tötungsabsicht.
01:06:10: Die Strafen unterscheiden sich entsprechend drastisch.
01:06:14: Mord wird nach §.
01:06:15: III des indischen Strafgesetzbuches bestraft und kann, je nach Schwere des Falles, mit lebenslanger Haft oder sogar mit der Todesstrafe geahndet werden.
01:06:24: Fahrlässige Tötung hingegen fällt unter §.
01:06:27: III des Indian Panel Code und sieht in der Regel eine Freiheitsstrafe von maximal zehn Jahren vor.
01:06:35: In manchen Fällen ergänzt durch eine Geldstrafe.
01:06:39: Dass das CBI keine schwereren Vorwürfe erhebt, ist jedoch nicht allein die Frage des Willens.
01:06:45: Für Jonas Anwald, Vikram Varma erklärt später, dass ein erheblicher Teil der Beweise durch die verspätete Übergabe des Falles an das CBI verloren gegangen sei.
01:06:54: Die Ermittler seien deswegen gezwungen gewesen, die Anklagepunkte zu verwässern.
01:07:00: Das bedeutet einfach, dass eine Verurteilung aufgrund von Mordes Wegen der wenigen Beweismittel, wir erinnern uns daran, dass beispielsweise keine DNA-Abstriche gemacht wurden.
01:07:12: Es wurde auch kein richtiger Vergewaltigungstest durchgeführt.
01:07:15: Und aufgrund dieser Mängel erreicht das gesammelte Beweismittel eben nicht, um eine Anklage wegen Mordes zu verfolgen, weil die Wahrscheinlichkeit, dass hier eine Verurteilung eben passieren würde, sehr, sehr gering ist.
01:07:31: Für die Familie ist das dann auch ein weiterer Schlag.
01:07:34: Und es bleibt nicht der Letzte.
01:07:44: Der Prozess beginnt erst zwei Jahre nach Skalitz tot.
01:07:48: März, Jahrzehnte, Jahrzehnte.
01:07:51: Zuständig ist das Kindergericht in Goa.
01:07:54: Immer wieder verzögert sich der Staat, weil Richter in den Ruhestand gehen oder in andere Gerichtsbezirke versetzt werden.
01:08:01: Und auch nach Beginn des Verfahrens geht es nur schleppend voran.
01:08:04: Wegen Personalmangles und fehlender Infrastruktur gibt es teilweise nur eine Verhandlung pro Monat, manchmal sogar weniger.
01:08:12: Der Fall zieht sich also endlos hin.
01:08:15: Als die Staatsanwaltschaften endlich beginnt, ihre insgesamt seventy- zwei Zeugen nacheinander aufzurufen, bricht ein zentrales Element der Anklage weg.
01:08:24: Der wichtigste Zeuge, der Brite Michael Manion, der als letzter unabhängiger Beobachter von Scarlet's letzten Momenten gilt, verlässt Indien und fliegt zurück nach Großbritannien.
01:08:35: Von dort aus erklärt er, er werde nicht zurückkehren.
01:08:38: Er fürchte um sein Leben, sollte er wieder indischen Boden betreten.
01:08:42: Das CBI versucht seine Aussage per Videokonferenz zu sichern, doch auch das lehnt Menjen ab.
01:08:48: Dieses Mal begründet er mit dem psychischen Folgen der Nacht.
01:08:52: Er spricht von Traumatar und posttraumatischer Belastungsstörung und davon, dass er die Ereignisse nicht noch einmal durchleben könnte.
01:09:00: Juristisch hat diese Entscheidung gravierende Folgen.
01:09:03: Weil Menjen nicht vor Gericht aussagt, erklärt das Gericht sämtliche frühere Aussagen von ihm als unzulässig.
01:09:09: Oh nee.
01:09:10: Ein erheblicher Teil der Beweisführung der Staatsanwaltschaft bricht damit vollständig weg.
01:09:18: Für Scarlet's Mutter Fiona ist das alles kaum zu ertragen.
01:09:21: Sie fühlt sich von Michael Manion verraten, nicht nur wegen jener Nacht, in der er nichts tat, um ihrer Tochter zu helfen, sondern auch wegen seines Schweigens vor Gericht.
01:09:32: Sie sagt, er ist ein Feigling und ein Idiot.
01:09:36: Er hätte wenigstens aussagen müssen.
01:09:38: Wenn er ausgesagt hätte, glaube ich, hätten wir einen Wasserdichtenfall gehabt.
01:09:43: Und generell muss man an der Stelle ja einmal erwähnen, dass die Lage der Staatsanwaltschaft zu diesem Zeitpunkt bereits eher schwach war, denn bei der ersten Obduktion wurden keine DNA-Tests durchgeführt und nun ist auch noch der wichtigste Augenzeuge verschwunden.
01:10:00: Die Beweislage ist also mehr als brüchig.
01:10:03: Genau diesen Moment nutzt die Verteidigung natürlich.
01:10:08: Sie greift zu einem Mittel, das in solchen Fällen immer wieder eingesetzt wird.
01:10:13: Sie machen Wind gegen das Opfer.
01:10:15: Und dafür nutzen sie Scarlet's Tagebuch.
01:10:18: Die Verteidigung argumentiert, Scarlet sei ein Mädchen gewesen, das durchaus in der Lage gewesen sei, ihr Leben selbst zu beenden.
01:10:26: Nicht die Tat, nicht die Täter stehen im Fokus, sondern ihr innerer Zustand.
01:10:31: Gleichzeitig wird Samson de Souza als leichtes Opfer dargestellt.
01:10:36: Der Verteidiger erklärt sinngemäß, wenn jemand geschützt werden solle, treffe es am Ende jemandem niedriggestellten wie ein Barkeeper.
01:10:44: Und die Verteidigung geht noch weiter.
01:10:46: Sie behauptet, sämtliche, zwei und fünfzig Verletzungen, die Fiona gezählt hatte und die auch bei der zweiten Autopsie dokumentiert wurden, seien erst nach Skalitz Tod entstanden.
01:10:57: Entweder wären sie tot am Strand lag, oder während der Leichenschau.
01:11:02: Auch die Drogen in ihrem Körper werden natürlich instrumentalisiert.
01:11:06: Mit Morphin und Kokain im Blut, so das Argument, hätte selbst eine gute Schwimmerin in der nächtlichen Flut der Gewässer Goa sterben können.
01:11:15: Zwischenzeitlich, und das ist wirklich ein absoluter Fiebertraum, versucht die Polizei sogar Fiona selbst, wegen Fahrlässigkeit anzuklagen.
01:11:25: Fiona nennt das später wiederlich.
01:11:27: und einen klaren Versuch von den eigenen Ermittlungsfehlern abzulenken.
01:11:31: Während all diese Argumente im Gerichtssaal ausgetauscht werden, beobachtet Fiona die beiden angeklagten ganz genau.
01:11:39: Sie erinnert sich an ihre Körpersprache.
01:11:42: Lassido Cavallio senkt den Blick, schaut zu Boden.
01:11:46: Samson de Souza hingegen startet sie direkt an, kalt und bewegt, fast arrogant.
01:11:52: Ein Blick, der sich einbrennt.
01:11:56: Am XXIII.
01:11:57: September, mehr als acht Jahre nach Skalitz tot und sechs Jahre nach Beginn des Prozesses fällt dann das Urteil.
01:12:07: Samson, De Souza und Placido Cavallio werden in allen Anklagepunkten freigesprochen wegen mangelnder Beweise.
01:12:15: Oh mein Gott.
01:12:15: Es
01:12:19: war ein Moment der Silence im Kreuz, als die Präsidentin der Kinderkreuze im Kreuz war.
01:12:24: Im Grunde, der Herrscher in diesem Fall erhielt, er nahm nur ein paar Sekunden für sie, um die beiden zu finden, nicht auf alle Begründung zu finden.
01:12:33: Und wie gesagt, es war ein Moment der Silenz.
01:12:34: Ich habe sofort nach Fionna McEwan, Scarlet Keeling's Mutter, gerade ein paar Seen von mir aus gesehen.
01:12:40: Und ihr könnt es sehen, sie war visibli schockt.
01:12:42: Danach hat sie mir gesagt, sie war verletzt durch den Verdikt.
01:12:45: Vier Jahre lang habe ich es erwartet.
01:12:47: Sie hat mir gesagt, jetzt ist es so.
01:12:50: Die Frage jetzt für sie und ihre legale Team ist, was sie tun, ob sie sich diesen Verdikt anzusehen.
01:12:56: Was Fionna McEwan sieht, als eine Tatsache für die Verwaltung.
01:13:01: Für die Familie ist das Urteil verheerend.
01:13:04: Dennoch kündigen Fiona und ihr Anwalt an, weiterzukämpfen.
01:13:08: Fiona sagt, sie müsse weitermachen.
01:13:10: Für Scarlet.
01:13:12: Sie dürfen nicht einfach vergessen werden, sie verdiene Gerechtigkeit.
01:13:16: Und tatsächlich, der Fall ist noch nicht zu Ende.
01:13:20: Ein Jahr später kündigt das CBI an, das Urteil vor dem High Court anzufechten.
01:13:24: Die Ermittler kritisieren, dass Gerichterbezeugenaussagen vorschnell verworfen, und seine richterliche Sorgfaltspflicht nicht ausreichend ausgeübt.
01:13:33: Insbesondere im Fall von Michael Mannion.
01:13:36: Vor dem High Court wiederholt das CBI eine zentrale These.
01:13:40: Das Scarlet als minderjährige Ecstasy und Kokain erhalten habe, obwohl sie bereits stark alkoholisiert war.
01:13:47: Das Samson de Sousa, sie anschließend sexuell missbraucht und am Strand zurückgelassen habe.
01:13:52: Das er ihr Bier und Drogen anbot, obwohl sie bereits stark intoxiziert war.
01:13:57: Und das werden sie als Zeichen, dass er das bewusst ausnutzen wollte.
01:14:03: In diesem neuen Verfahren tritt Morali Saga als zentraler Zeuge auf.
01:14:08: Er ist der Mann, der gesehen hat, wie Scarlett in der Küche des Restaurants Drogen bekam.
01:14:12: Der Mann, der sie nach Hause bringen wollte und dann ging, als Samson de Souza ihn aufforderte, zu verschwinden.
01:14:19: Auch Michael Mannion gibt sich dieses Mal einen Ruck.
01:14:23: Ingegen seiner früheren Weigerung reist er zurück nach Goa und sagt aus.
01:14:28: Dieses Mal schildert er vor Gericht detailliert, wie er Samson de Souza auf Scarlett liegend im Parkplatzbereich gesehen hat.
01:14:34: Und er berichtet von einem Streit am frühen Morgen, nachdem de Souza vom Strand zurückgekehrt war.
01:14:40: Ein Streit über das, was Mennien gesehen hatte.
01:14:44: De Souza habe ihm bedroht, unter von abgehalten zur Polizei zu gehen.
01:14:48: Mennien erklärt, er sei wenige Tage später nach Delige flon, und habe dort Kontakt zu britischen Hochkommissionen aufgenommen, die ihm geraten habe, nach Großbritannien zurückzukehren.
01:14:58: Und zwar umgehend.
01:15:00: Neben den Zeugenaussagen rückt nun auch ein weiteres Beweistück in den Fokus, das lange unbeachtet blieb.
01:15:07: Die orangefarbenen Slipper.
01:15:09: Einer dieser Slipper lag neben Skalids Körper am Strand.
01:15:13: Er gehörte nicht ihr, der Fund wurde aber dennoch im offiziellen Protokoll des ersten Ermittlers festgehalten.
01:15:21: Und ausgerechnet diese Slipper zeigen jetzt auf Samson de Sousa, wie er rekonstruieren.
01:15:27: Am Morgen nach dem Aufwinden der Leiche kehrte Samson de Sousa an den Strand zurück.
01:15:32: Er fragte Mitarbeiter der Strandtüten, ob jemand seine Slipper gesehen habe.
01:15:36: Ein Kellner des Luyshek, Chandro, sagte ihm, er habe sie dort gesehen, wo der Körper gelegen habe.
01:15:42: Doch anstatt sie selbst zu holen, bittet das Sousa Chandro das für ihn zu übernehmen.
01:15:47: Dieser weigert sich jedoch, Er fordert das Susa auf, selbst hinzugehen.
01:15:52: Nur kurze Zeit später, noch am selben Tag, bittet er dem Besitzer der Strandhütte darum, früher gehen zu dürfen.
01:15:59: Der Hüttenbesitzer stimmt zu, unter der Bedingung, dass Samson das Susa einverstanden sein muss.
01:16:05: Als Chandro das Susa nun fragt, erhält er eine klare Antwort.
01:16:10: Ja, du kannst früher gehen, aber nur, wenn du zuvor meine Slipper herbringst.
01:16:14: Wieder will ich, macht sich Chandro nun auf den Weg, Er geht genau zu jenem Ort, an dem nur wenige Stunden zuvor Skalets Leiche gelegen hat.
01:16:23: Dort hebt er die orangefarbenen Slipper auf und bringt sie zurück.
01:16:27: Denn auch diese befinden sich immer noch dort und wurden nicht als Beweismaterial gesichert.
01:16:34: Das Suser nimmt sie entgegen, doch er zieht sie nicht an.
01:16:37: Er verstaut sie auch nicht in seinem Rucksack.
01:16:40: Stattdessen packt er sie in eine Plastiktüte aus dem Restaurant.
01:16:44: Eine Handlung, die ungewöhnlich wirkt.
01:16:47: und die Chantro nun vor dem Heikreuz detailliert schildert.
01:16:51: Der zuständige Richter bewertet dieses Verhalten deutlich.
01:16:54: In seiner Einschätzung erklärt er, de Sousa hätte die Slipper einfach selbst aufheben können, wenn er sich doch nicht zu Schulden kommen lassen hätte.
01:17:03: Dass er das nicht hart deutte auf seinen schlechten mentalen Zustand hin, so der Richter.
01:17:08: Ein Schuldgefühl könne zu einem derart merkwürdigen Verhalten geführt haben.
01:17:13: Oh mein
01:17:37: Gott, ja.
01:17:40: Das Gericht verurteilt ihn zu zehn Jahren Haft sowie einer Geldstrafe von zwei Komma sechs Lagrubchen.
01:17:47: Das sind je nach Wechselkurs etwa drei Tausend Euro.
01:17:51: Die Verurteilung umfasst fahrlässige Tötung, die Verabreichung einer betäubenden Substanz an ein Kind, sexuelle Gewalt, Kindismusbrauch sowie Beweismanipulation.
01:18:01: Und ich muss ja schon sagen, ich bin froh, dass er schuldig gesprochen wurde.
01:18:08: und dass es hier überhaupt zu einer Verurteilung kommt.
01:18:11: Das Strafmaß, ich meine, das ist der Höchstsatz.
01:18:14: Mehrheiten wir nicht erwarten können.
01:18:16: Aber meiner Meinung nach ist das verhältnismäßig trotzdem ein absoluter Witz.
01:18:21: Ja, ja, es ist so für das, was er getan hat auf jeden Fall zu wenig.
01:18:26: Zehn Jahre für ein Leben und dann auch diese drei tausend Euro.
01:18:30: Also ich mein, man muss ja schon sagen, drei tausend Euro sind hier was ganz anderes als bei uns.
01:18:36: Ja.
01:18:36: Aber wenn man das eben so hört, dann ist das halt ein absoluter Scherz.
01:18:43: Aber wie du sagst, diese zehn Jahre, also ich bin auch froh, dass es zu einem Urteil kam, was dir so ausgegangen ist, also dass er für schuldig befunden wurde, aber ...
01:18:53: Ja.
01:18:53: Ja, dafür, dass er ein
01:18:55: Leben
01:18:55: ausgelöscht hat und wahrscheinlich auch auf was für eine brutale Art und Weise ist das wirklich?
01:19:00: ...
01:19:00: Voll.
01:19:00: ...
01:19:01: nicht viel.
01:19:03: Der Gemeinsam mit De Sousa und Scarlett Drogen in der Küche konsumierte, wird freigesprochen.
01:19:11: Zwar gilt als erwiesen, dass auch er anwesend war, als Scarlett die Drogen verabreicht wurden, dennoch sieht das Gericht keine ausreichenden Beweise für seine Beteiligung an den weiteren Tapen.
01:19:22: Er verlässt das Gericht also als freier Mann.
01:19:25: Für Fiona ist das Urteil ein Moment zwischen Erleichterung und Erschöpfung.
01:19:30: Sie sagt, es habe weniger als ein Jahr gedauert, bis es nun soweit sei, weniger als die Zeit, die sie gebraucht hätten, um überhaupt an diesen Punkt zu kommen.
01:19:39: Sie hofft, dass das Susar die volle Haftzeit verbüßt, denn selbst dann fühlte sich zu wenig an.
01:19:47: Zehn Jahre vereinleben.
01:19:49: Gleichzeitig kann sie kaum glauben, dass es tatsächlich vorbei ist.
01:19:53: Ihr Leben habe all die Jahre still gestanden.
01:19:56: Jetzt sagt sie, würden sie das feiern, mit einer Flasche Sekt.
01:20:01: Auf die Frage, ob sie Breue ihrer Tochter so viel Freiheit gelassen zu haben, antwortet Fiona ohne Zögern.
01:20:17: Sie sagte hier, sie werde diese Entscheidung für den Rest ihres Lebens bräuen und natürlich würde sie heute anders handeln.
01:20:24: Natürlich würde sie die Zeit zurückdrehen, wenn sie könnte.
01:20:28: Gleichzeitig steht sie aber auch zu ihrem Erziehungsstil.
01:20:31: Sie sagt, sie habe nie daran geglaubt, ihre Kinder vollständig zu kontrollieren.
01:20:35: Sie habe geglaubt, ihre Aufgabe besteht darin, sie beim Erwachsenwerden zu unterstützen.
01:20:40: Jeder Mensch, so Fiona, habe das Recht auf seine eigenen Überzeugungen in der Erziehung.
01:20:45: Was sie aber bis heute nicht versteht, ist der Fokus der Öffentlichkeit.
01:20:49: Die Medien hätten über ihr Aussehen geschrieben, über ihre Haare, über ihre Kleidung, nicht über das, was ihre Tochter widerfahren ist.
01:20:57: Sie sagt, es sei nicht ihre Schuld.
01:21:01: Sie habe Scarlet nicht ermordet.
01:21:04: Boah, also ich finde es krass, dass der Fall sich in so eine andere Richtung entwickelt hat, als ich das am Anfang erwartet hätte.
01:21:14: Also dass das letztendlich ja eigentlich eine fremde Person war, die ihr das Leben genommen hat.
01:21:19: Ja.
01:21:21: Boah, ich habe so viele Gedanken im Kopf.
01:21:22: Also ich finde es heftig, wie da gearbeitet wurde.
01:21:26: Also dass da so wenige Spuren gesichert wurden.
01:21:29: dass die Familie da erst zu Druck machen musste, dass eine zweite Autopsie durchgeführt wird und erst dadurch ja irgendwie was Handfestes im Raum stand.
01:21:38: Und man muss ja auch sagen, es hat ja nicht mal gereicht, dass ihre Familie allein Druck gemacht hat, sondern da musste sich ja wirklich auch noch die Frauenministerin einschalten und wirklich die internationalen Medien, also ganz viele Nachrichtensender haben eben darüber berichtet.
01:21:53: Und das alles zusammen.
01:21:56: hat dann dazu geführt, dass da eben eine zweite Obduktion durchgeführt wurde.
01:22:00: Wenn nur Fiona und ihre Familie Druck gemacht hatten, dann wissen wir nicht mal, ob das überhaupt passiert wäre.
01:22:08: Das ist ein sehr erschreckender Gedanke, finde ich.
01:22:11: Ja, total.
01:22:12: Und auch, wenn man sich mal überlegt, wie viele Jahre da vergangen sind, bis es überhaupt zu einem Prozess kam und bis der Täter letztendlich dann auch ... verurteilt wurde.
01:22:24: Also ich kann mir gar nicht vorstellen, wie kräftig Cairn das für ihre Familie gewesen sein muss.
01:22:28: Und auch für ihre Mutter, weil also ich kann mir vorstellen, dass sie da echt von krassen Schuldgefühlen heimgesucht wird, dass ihrer Tochter erlaubt hat, dahin zu fahren.
01:22:39: Aber es ist schon richtig, auch wie sie das am Ende sagt, ich finde, es sollte der Fokus auf dem Täter liegen, weil er ist derjenige, der Skala das Leben genommen hat.
01:22:49: Ja voll.
01:22:50: Ich finde, Das ist immer so erschreckend, dass das so oft passiert, dass der Fokus da so extrem verschoben wird.
01:22:57: Weil wie du gesagt hast, man kann natürlich ihren Erziehungsziege kritisieren, aber man kann nicht sagen, dass die Schulter dran ist, dass ihre Tochter gestorben ist.
01:23:05: Weil das stimmt halt einfach nicht.
01:23:08: Also, ich muss schon sagen, ich hab mich während der Recherche auch immer wieder dabei erwischt, dass ich ihre Mutter schon verurteilt hab.
01:23:16: Bin ich auch ganz ehrlich.
01:23:17: Also, ich dachte mir schon immer mal wieder so ... Wie kann das sein?
01:23:21: Warum schreitet sie nicht ein?
01:23:23: Weil im Endeffekt hat sie ja schon eine gewisse Verantwortung einfach für ihre Kinder.
01:23:29: Und dass Scarlett ihr dann beispielsweise gesagt hat, du, ich hab Ketamin genommen.
01:23:33: Und ihre Mutter hat sie danach trotzdem noch alleine nach Goa zurückgelassen.
01:23:40: Weil es hätte ja auch alleine mit Drogen was passieren können.
01:23:42: Also es hätte ja nicht mal fremdverschulden sein müssen.
01:23:45: Aber es war ja wirklich bekannt, jedem in dem Ort, Scarlet eigentlich immer drauf war.
01:23:53: Und ja, Scarlet's Mutter hat sie nicht getötet und sie ist nicht verantwortlich für den Tod.
01:23:59: Aber ich hab schon auch immer wieder gemerkt, dass ich auch so ein bisschen mit die Verantwortung bei ihr gesucht hab.
01:24:04: Und ich glaub, das ist aber schon auch so was, was uns halt wirklich arg eingedrichtert wird.
01:24:09: Weil letztendlich hat die Schuld an dem Tod natürlich der Täter.
01:24:15: Trotzdem hab ich schon immer wieder gemerkt.
01:24:18: Ich suche so eine kleine Mitschuld auch bei der Mutter.
01:24:21: Ich weiß nicht, ob die das auch so ging.
01:24:23: Aber ich musste mich dann schon immer wieder so ein bisschen davon wegrücken und mir selbst sagen, ja, aber der Täter hat die alleine geschuld an der Tat.
01:24:31: Ja, ich glaube auch, weil man ja so das Gefühl hatte, dass sich Scarlett schon auch allein gelassen gefühlt hat, also allein.
01:24:37: Wenn sie eben das wirklich gesagt hat, dass sie so abhängig von ihrem Partner ist, emotional auch und dass sie ihn ja irgendwie brauchen, sich nicht von ihm lösen kann.
01:24:48: Ja, erweckt bei mir schon auch das Bild, dass sie eben nicht so das Verhältnis zu ihrer Mutter hatte, dass sie mit ihr über alles reden könnte oder sich hier anvertrauen würde, wenn irgendwas ist.
01:24:58: Und
01:24:59: das fand ich halt total traurig zu sehen, dass sie sich einfach wahrscheinlich sehr einsam gefühlt hat und eben vielleicht nicht so aufgehoben von ihrer Mutter, wie sie das eigentlich sein sollte.
01:25:10: Ja, ja, voll.
01:25:11: Und das ist ja auch das, was Fiona's Ex-Partner, also der damalige Partner gesagt hat.
01:25:17: dass Skalett überwiegend in Goa bleiben wollte, nicht wirklich wegen ihres Partners, sondern halt mehr, weil sie und ihre Mutter so ein schwieriges, angespanntes Verhältnis hatten und halt auch immer wieder Art gestritten haben.
01:25:31: Und ich kann mir dann schon auch vorstellen, dass Skalett deswegen in Goa bleiben wollte und dann halt eben mit ihrem Partner zusammengeblieben ist, weil sie ja bei ihm auch gearbeitet hat und sich ja auch nur dadurch finanzieren konnte, dass sie in Goa bleibt.
01:25:44: Also ... Sie hat sich ja das eigene Zimmer dort angemietet, das musste ja auch irgendwie bezahlt werden.
01:25:49: Ihre Mutter wusste das nicht, sie konnte das nicht mit ihrer Mutter teilen.
01:25:53: Und wenn das dann auch wirklich so eine Beziehung war, sehr viel geprägt von Streit, dann kannst du solche Sachen ja vielleicht auch gar nicht ansprechen.
01:26:01: Und ich kann mir schon auch vorstellen, also das ist jetzt natürlich nur eine Vermutung, aber das Skala dann, wenn sie ihrer Mutter dann erzählt hat beispielsweise, höchere Ketamin konsumiert, dass sie sich insgeheim auch so ein bisschen gewünscht hätte, dass ihre Mutter mal mehr hinschaut.
01:26:17: Ja, ja.
01:26:19: Ich kann mir schon auch vorstellen, dass das oft eine Motivation ist bei Kindern und Jugendlichen.
01:26:24: Zum Hilfe schrei
01:26:25: einfach.
01:26:26: Ja,
01:26:26: ja.
01:26:26: Und mehrere Menschen in dem Fall hätten helfen können und haben es nicht gemacht.
01:26:32: Also, ich muss auch sagen, Michael Manions Reaktion hat mich extrem wütend gemacht.
01:26:38: Ja,
01:26:38: ja.
01:26:38: Weil er kannte Samson de Souca ja scheinbar auch, die haben zusammen gewohnt.
01:26:43: zusammen mit Desusas Ehefrau.
01:26:45: und, dass er da nicht eingeschritten ist, kann ich nicht nachvollziehen.
01:26:50: Also, ich kann das nicht verstehen und dass er danach keine Hilfe geholt hat.
01:26:55: Das noch weniger.
01:26:56: Ja, ja.
01:26:58: Das kann ich auch gar nicht nachvollziehen.
01:27:01: Also, da fragt man sich halt wirklich, was hätte verhindert werden können, wenn er die Polizei gerufen hätte, wenn er eingeschritten wäre.
01:27:08: Also, das sind wieder so ganz viele, was wäre, wenn, Fragen, die in meinem Kopf
01:27:12: schwimmen.
01:27:12: Ja, total.
01:27:13: Weil da kann man ja auch schon viel früher einsetzen, ne?
01:27:15: Der hat ... Also, Michael Manion hat sie ja schon bevor sie ins Luhischeck gegangen ist, gesehen, wie sie gestürzt ist und hat ihr aufgeholfen.
01:27:25: Schon da hätte er als Erwachsener sagen können, weißt du was, ich bring dich nach Hause.
01:27:30: Voll,
01:27:30: ja.
01:27:31: Aber stattdessen hatte sich dann ins Luhischeck gesetzt und hat dann selbst an der Bar noch ein Bier getrunken.
01:27:38: Und noch eins, und noch eins.
01:27:39: Und natürlich ist er nicht verantwortlich für sie.
01:27:42: Aber im Nachhinein denkt man sich schon, na ja, der wäre Hilfe schon angemessen gewesen.
01:27:47: Und auch der Mitarbeiter, dieser Morali Saga, der hätte ja auch was machen können.
01:27:53: Der kannte den Täter ja auch.
01:27:56: Also der hat das ja auch mitbekommen, wie die dann alle in der Küche eben drogenkonsumiert haben.
01:28:01: Und er hätte ja auch die Polizei rufen können.
01:28:04: Selbst wenn er vor der Suche Angst gehabt hat.
01:28:07: Hätte er mit seinem Bike wegfahren können und hätte später die Polizei rufen
01:28:11: können.
01:28:13: Das wäre ja alles möglich gewesen.
01:28:15: Weil ich finde, gerade für Männchen und für Saga war ja sehr offensichtlich, dass Jesusa keine guten Absichten mit Scarlet hatte.
01:28:23: Und sie haben ja auch beide mitbekommen, dass sie stark alkoholisiert und unter Drogeneinfluss stand.
01:28:29: Ja.
01:28:29: Also das fand ich schon auch sehr, sehr, sehr schwierig.
01:28:34: Ja, ich glaube echt, dass oft die Leute zu schnell wegschauen und zu schnell denken, ach ist nicht mein Ding.
01:28:42: So, ich hab damit nichts zu tun.
01:28:44: Und ich musste an die Situationen von uns in Melbourne denken, wo wir diese betrunkene Frau vom Club gesehen haben.
01:28:52: Und ich find's so krass, weil du, das muss man auch einfach betonen, du warst ja voll der Initiator, weil du gesagt hast, ey, wir müssen dir helfen, wir können die nicht einfach hier so sitzen lassen.
01:29:02: Das war
01:29:03: supergefährlich.
01:29:04: Ja.
01:29:04: Und dann haben wir wirklich da so lange mit ihr gewartet, bis wir irgendwie ... den Schlüssel organisiert hatten und haben sie dann noch zu ihrer Wohnung gefahren mit dem U-Bahn und so.
01:29:14: Und ich finde, dass es das, wie man in solchen Situationen agieren sollte oder wie gesagt zumindest irgendwie die Polizei oder so rufen und nicht einfach
01:29:25: wegschauen.
01:29:25: Total, weil mal so ein bisschen Background zu unserer Situation.
01:29:30: Das Mädchen ist damals, die war schon auch noch relativ jung und sehr betrunken, sehr offensichtlich betrunken und auch allein und ... Die ist damals aus dem Club geflogen, weil sie eben zu betrunken war.
01:29:42: Und wollte aber wieder rein.
01:29:43: Weil ich glaub, sie hatte kein Handy dabei, sie hatte keinen Schlüssel dabei.
01:29:48: Ihre Freundinnen waren drin.
01:29:49: Ihr Partner ist schon heimgegangen.
01:29:53: Wahrscheinlich auch sauer auf sie.
01:29:54: Der kam mir dann auch noch mal zurück und hat sich auch als äußerst schwierig entpuppt.
01:29:59: Und
01:30:00: diese Gesamtsituation dachte ich mir so, das kann man halt nicht gut und gewissens so stehen lassen und halt nichts machen.
01:30:08: Du weißt ja nicht, wie sie heimgekommen wäre.
01:30:10: Ja.
01:30:11: Und der Typ hat wirklich sehr aggressiv gewirkt.
01:30:13: Also, ich
01:30:14: hab zwischendurch
01:30:15: ja auch so Angst gehabt, dass er dir irgendwas macht, weil er so einen
01:30:21: Blick
01:30:21: drauf hatte.
01:30:22: Also,
01:30:24: ja.
01:30:24: Ja, ich hab da irgendwas gesagt, wo er dann auch so richtig auf mich zu ist.
01:30:29: Ja.
01:30:30: Da ist ja aber auch niemand ist eingeschritten.
01:30:32: Niemand hat was gemacht.
01:30:33: Also, da waren auch ganz viele ... große, starke Männer um uns rumgestanden, unter anderem die Türsteher.
01:30:39: Meinst
01:30:39: du, da hat mal jemand was gesagt?
01:30:41: Ja.
01:30:42: Also ...
01:30:43: Aber ja, in solchen Situationen muss man schon schauen.
01:30:46: Ich denk mir halt schon, im Fall von Scarlett gab es wirklich viele, viele, viele Menschen, die da hätten einschreiten können.
01:30:53: Auch Rulio, den Mann, den sie gedatet hat.
01:30:56: Der hat sie dann damals noch abgeholt und sie dann am Strand abgesetzt und dort allein gelassen.
01:31:02: Ich mein, man muss auch dazu sagen, Scheinbar war Scarlett ja oft unter Drogen Einfluss.
01:31:08: Und das war für alle Beteiligten scheinbar normal.
01:31:11: Und es ist halt immer gut gegangen und es ist nie was passiert.
01:31:14: Und deswegen dachten sie, auch dieses Mal würde wieder nichts passieren.
01:31:17: Aber genau das ist dann eben das Trügerische.
01:31:21: Dass das in Goa teilweise so normal ist, dass Leute eben konsumieren.
01:31:25: Aber dass es eben auch Leute gibt, die genau das dann auch ausnutzen.
01:31:28: Und dass da dann scheinbar wirklich ja komplett der Blick dafür verloren gegangen ist.
01:31:33: wie gefährlich die Situation
01:31:35: für sie werden kann.
01:31:36: Ja, total.
01:31:37: Und die Ermittlungen, die waren ja wirklich auch ein absoluter Scherz.
01:31:41: Also, der ist ja wirklich alles schief gegangen, was hat schief gehen können.
01:31:45: Ich find's ein ganz, ganz schlimmen Fall.
01:31:47: Aus so vielen verschiedenen Aspekten irgendwie, also, dass ihr ja so oft hätte geholfen werden können, dass da so schlampig gearbeitet wurde, seitens der Polizei und dass es auch so lange gedauert hat.
01:32:02: bis da wirklich mal ein ordentliches Urteil gefällt wurde.
01:32:06: Also, das ist alles super frustrierend, finde ich.
01:32:09: Ja.
01:32:10: Und ein Punkt, den habe ich nicht mit immer in den Skript eingebaut, in dem Fall, der wirft bis heute auch noch ziemlich viele Fragen auf.
01:32:19: Denn Jahre nach ihrem Tod, im Rahmen weiterer Untersuchungen in Großbritannien, stellten Gerichtsmediziner fest, dass mehrere innere Organe fehlten.
01:32:32: darunter eine Niere der Magen und die Gebärmutter und diese Entdeckung erfolgt nicht in Indien, sondern eben erst später also nach der Überführung und erneutene Untersuchung ihres Leichnamens in Großbritannien.
01:32:44: Für Scarlet's Mutter Fiona kam diese Erkenntnis völlig unerwartet, also sie betont, dass sie zu keinem Zeitpunkt einer Organeinnahme zugestimmt und niemals eine entsprechende Information erhalten habe.
01:32:57: Bis heute gibt es dazu aber keine transparente, nachvollziehbare Erklärung.
01:33:01: warum diese Organe fehlen und was mit ihnen geschehen ist.
01:33:05: Und du kannst dir natürlich vorstellen, das ist ein Nährboden für Spekulation.
01:33:10: Boah ja, ja.
01:33:10: In
01:33:11: etlichen Foren wird laut heraus posant Organhandel.
01:33:16: Und ich habe mich da mal so ein bisschen eingelesen.
01:33:18: Ja, illegale Organhandel ist in Indien seit Jahrzehnten dokumentiert, aber insbesondere im Kontext von Armut, sozialer Ungleichheit und unzureichender Kontrolle im Gesundheitssektor.
01:33:30: Ich habe gelesen, vor allem in den Neunzehnhundert neunziger und frühen zweitausender Jahren wurden zahlreiche Fälle bekannt, in denen Menschen häufig aus sehr armen Verhältnissen ihrenieren unter Zwang, Täuschung oder falschen Versprechen verkauften.
01:33:47: Indien entwickelte sich damals zu einem der Länder, die international als Hotspot für Transplantationstourismus galten, bevor Ninzeundvierundneunzig Gesetze verschärft wurden.
01:34:00: Wohlhabende PatientInnen aus dem Innen- und Ausland reisten also an, um schneller an Organe zu gelangen, während SpenderInnen oft kaum medizinisch versorgt oder langfristig betreut wurden.
01:34:12: Aber all das ist im Fall von Scarlet reine Spekulation und lässt sich nicht belegen.
01:34:18: Was sich jedoch belegen lässt, ist etwas anderes und zwar schwere Verfahrensmenge.
01:34:24: Medizinisch ist es zwar möglich, dass Organe im Rahmen einer Autopsy entnommen werden, etwa für weiterführende Untersuchungen.
01:34:32: In solchen Fällen wäre jedoch eine klare Dokumentation auf Bewahrung und auch Rückgabe standard.
01:34:40: Das mehrere Organe fehlen ohne Information an die Familie, ohne nachvollziehbare Aktenlage, gilt auch unter Fachleuten als hochproblematisch.
01:34:51: Das Wahrscheinlichste ist jedoch kein kriminelles Netzwerk im Hintergrund.
01:34:56: sondern ein weiteres Beispiel für das, was sich durch den ganzen Fall gezogen hat.
01:35:01: Intransparenz, Inkompetenz, Schlamperei und institutionelles Versagen.
01:35:08: Organe, die entnommen, nicht dokumentiert, nicht zurückgeführt wurden.
01:35:13: Und ein System, das es versäumt, Verantwortung zu übernehmen oder Fragen zu beantworten.
01:35:18: Für die Familie bedeutet das nicht nur Schmerz, sondern auch das Gefühl, dass selbst nach dem Tod ihrer Tochter nicht sorgfältig nicht respektvoll und vor allem nicht ehrlich mit ihr umgegangen wurde.
01:35:29: Und jetzt am Ende der heutigen Folge würde ich ganz gerne nochmal zurückkommen auf das, was wir am Anfang besprochen haben.
01:35:38: Also diese Ängste nach Indien zu reisen, vielleicht auch aufgrund von Korruptionen, von inkompetenter Polizeiarbeit, aufgrund dessen, dass es ja immer wieder heißt, es wäre, als Frau sehr unsicher nach Indien zu reisen.
01:35:56: Ich hab mir im Zuge dessen mal die allgemeine Kriminalstatistik angeschaut.
01:36:02: Einfach, weil mich das auch interessiert hat, weil das für mich ja auch so was war.
01:36:05: Ich hab Indien schon am Anfang auch mit wenig Sicherheit für Frauen verbunden.
01:36:12: Und ich wollte mir einfach mal anschauen, was die Zahlen da wirklich sagen.
01:36:16: Indien zählt im weltweiten Vergleich nicht unbedingt zu den Ländern mit der höchsten Gewaltkriminalität.
01:36:22: Die registrierte Mordrate ist sogar relativ niedrig.
01:36:26: Viele Gewalt- und Eigentumsbeligte bewegen sich statistisch im Mittelfeld.
01:36:31: Dieses Bild verändert sich jedoch deutlich, sobald der Fokus gezielt auf sexualisierte Gewalt und Gewalt gegen Frauen gelegt wird.
01:36:39: Nach Angaben des Indonesian National Crime Records Bureau wurden im Jahr twenty-twoundzwanzig landesweit rund dreißigtausend fünfhundert Vergewaltigungen offiziell registriert.
01:36:51: Das entspricht im Durchschnitt etwa sixundachtzig angezeigten Fällen pro Tag.
01:36:56: Boah.
01:36:57: Die daraus errechnete, offizielle Vergewaltigungsrate liegt bei rund vier Komma vier bis vier Komma neun Fällen pro einhunderttausend Einwohnerinnern.
01:37:06: Aber an der Stelle einmal zum Vergleich.
01:37:09: In Deutschland wurde im selben Zeitraum laut polizeilicher Kriminalstatistik über forty-tausend Fälle vorm Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexuellen Übergriffen erfasst.
01:37:19: Bezogen auf die Bevölkerungszahl ergibt sich daraus eine deutlich höhere Ratsche pro hunderttausend Einwohnerinnen als in Indien.
01:37:28: Internationale Vergleichsdaten weisen für Deutschland, je nach Erhebungsmethode, raten von über fünfzehn Fällen pro hunderttausend Einwohnerinnen aus.
01:37:38: Aber diese Gegenüberstellung darf nicht isoliert gelesen werden.
01:37:42: Die niedrige offizielle Rate in Indien bedeutet nicht zwangsläufig, dass dort weniger sexualisierte Gewalt stattfindet, Vielmehr gilt Indien als Land mit einer besonders hohen Dunkelziffern.
01:37:54: Fachleute und Frauenrechtsorganisationen gehen davon aus, dass ein erheblicher Teil der Übergriffe nie angezeigt wird.
01:38:02: Aus Angst vor sozialer Stigmatisierung, familiärem Druck, magnetem Vertrauen in die Polizei und Justiz.
01:38:10: Gewalt gegen Frauen bleibt dadurch häufig statistisch zumindest unsichtbar.
01:38:15: Unabhängige Studien und Umfragen zeichnen ein deutlich umfossenderes Bild.
01:38:20: Rund dreißig Prozent aller Frauen in Indien geben an, im Laufe ihres Lebens körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt zu haben.
01:38:28: Ein großer Teil dieser Gewalt findet im privaten Umfeld statt, häufig durch Partner, Familienangehörige oder andere vertraute Personen.
01:38:36: Ein Umstand, der die Bereitschaft zur Anzeige zusätzlich senkt.
01:38:40: Ihn lesen die Zahlen in Deutschland aus.
01:38:43: Erschweren kommt in Indien eine niedrige Verurteilungsquote hinzu.
01:38:47: Bei angezeigten Vergewaltigungsfällen liegt sie hier bei etwa siebenundzwanzig bis achtundzwanzig Prozent.
01:38:54: Langwierige Verfahren, das haben wir auch in unserem heutigen Fall erlebt, Beweisprobleme und gesellschaftliche Vorurteile führen dazu, dass viele Prozesse eingestellt werden oder ohne Schuldspruch enden.
01:39:07: In Deutschland liegen die Verurteilungsquote zwar ebenfalls nicht hoch, wir wegen sich jedoch auf einem insgesamt stabileren institutionellen Fundament mit besserer Opferunterstützung und höherer Anzeigebreitschaft.
01:39:21: Vor allem, weil wir schon ein bisschen weiter sind, was dieses Stigmata angeht.
01:39:27: Also, diese Täter-Opferumkehr ist ja was, was wir bei uns in Deutschland auch immer noch viel zu sehr erleben.
01:39:34: Allerdings sind wir hier schonmal ein Stückchen weiter als in Indien.
01:39:39: Auch wenn mein Partner beispielsweise gesagt hat, dass sich in den letzten Jahren da schon sehr viel getan hat, wir uns hier also auch auf dem richtigen Weg befinden.
01:39:47: Und ich glaube, dass das einen riesigen Unterschied macht, dass hier der Frau immer noch sehr viel Verantwortung aufgelastet wird.
01:39:55: Das hat man ja auch an unserem heutigen Fall sehr deutlich gesehen.
01:39:59: Da überlegt man sich natürlich zwanzig Mal.
01:40:02: ob man wirklich zur Polizei geht und ob man sich dem stellen möchte, wenn man denkt, okay, ich hab eh nicht so gute Chancen darauf, dass da wirklich ein Verfahren zustande kommt, geschweige dann eine Verurteilung.
01:40:12: Ja, und wenn sich das Verfahren dann wie bei uns beispielsweise im Birthcase über acht Jahre zieht, dann ist das ja auch unfassbar retraumatisieren.
01:40:21: Also sich so einer Tortur zu stellen, dafür muss man mental und psychisch ja auch erst mal in der Lage sein.
01:40:29: Absolut, ja.
01:40:31: Ja, ich finde das schon sehr erschreckend, wenn man so Zahlen dann nochmal hört.
01:40:36: Also auch den Vergleich zu hören, wie hoch es auch bei uns ist.
01:40:41: Weil ich finde, man hat immer so im Kopf, dass es in Indien viel häufiger passiert und natürlich wissen wir nicht, wie die genaue Zahl ist, wenn die Dunkelziffer sehr hoch ist.
01:40:51: Aber
01:40:52: vermutlich ist es häufiger, aber es ist bei uns halt auch sehr häufig.
01:40:56: Ja,
01:40:56: also es ist echt sehr erschreckend.
01:40:58: das zu hören, wie oft es dort passiert, wie oft es hier passiert.
01:41:01: Also es ist einfach, ja, ist sehr schwer zu verdauen, finde
01:41:05: ich.
01:41:05: Ja, total.
01:41:07: Und was ich dich am Ende noch fragen möchte, wie war das für dich?
01:41:13: Also du recherchierst ja oft Fälle von den Orten, an denen du gerade bist.
01:41:17: Wir kennen das ja von dir.
01:41:18: Aber diesmal finde ich, war es ja schon sehr, sehr nah.
01:41:23: Ja, ja, super close.
01:41:25: Also, zwölf Kilometer.
01:41:26: Ja, krass.
01:41:27: Wie hast du dich damit so gefühlt?
01:41:29: Ich hab mich schon ein bisschen komisch gefühlt, weil ich halt an dem Strand beispielsweise auch schon stand.
01:41:35: Also, das war schon noch mal eine ganz andere Sache.
01:41:38: Und es war merkwürdig.
01:41:41: Vor allem, weil ich mich so richtig in diese Partyszene reindenken kann, nicht so viele Parallelen auch gesehen hab von Beobachtungen, die ich selbst halt auch schon gemacht habe.
01:41:51: Also, wirklich dieses ... Viele Menschen sind dann irgendwie am Kiffen und so ein bisschen im Drogen raus, dass es tagsüber viel Spiritualität gibt, aber nachts wird das Ganze dann eben schon so ein bisschen zum Exzess und manchmal schon auch als spirituell getarnt.
01:42:10: Und das fand ich halt irgendwie auch so, da konnte ich mich so ein bisschen wiedersehen, nicht mich selbst, aber meine Beobachtungen konnte ich da so ein bisschen wiederfinden und dann eben auch all solche Dinge, also Beispielsweise hat Scarlett ihren damaligen Partner auf der Vollmond-Party kennengelernt.
01:42:25: Ich war hier schon auf ätlichen Vollmond- und Neumond-Zeremonien.
01:42:29: Und ich hab ja beispielsweise meinen Partner auch bei einer kennengelernt.
01:42:32: Ja,
01:42:33: oh mein Gott, ja, stimmt.
01:42:34: Und das waren dann alles so Parallelen, wo ich mir schon dachte, boah.
01:42:38: Ja, also wenn da hier jemand nicht so einen Blick auf jemanden hat, der vielleicht auch noch sehr, sehr, sehr jung ist.
01:42:45: kann das schon auch gefährlich werden.
01:42:48: Also, man muss auch schon sagen, ich find, Goa kann man so ein bisschen vergleichen mit dem Oktoberfest.
01:42:54: Mhm.
01:42:54: Weißt du, das ist so ein bisschen, man benimmt sich das ganze Jahr über, aber dann geht man nach Goa, um so richtig die Sau rauszulassen.
01:43:01: Verstehen, ja.
01:43:02: Und dann wird wirklich jegliche Kontrolle verloren.
01:43:05: Ja.
01:43:05: Und das ist halt schon echt gefährlich.
01:43:09: Und ich konnte auch nicht herausfinden, ob Samson, Jesusa ... noch im Gefängnis sitzt.
01:43:15: Das war das erste, was mich mal im Partner gefragt hat.
01:43:17: Ja.
01:43:18: Na ja, aber du hast schon gesagt, dass du keine Fälle recherchierst, wenn du da gerade vor Ort bist und die Person vielleicht wieder draußen sein
01:43:25: könnte.
01:43:26: Ja.
01:43:26: Ich weiß ja.
01:43:28: Stimmt.
01:43:30: Habe ich gesagt, mach ich nicht.
01:43:31: Ja.
01:43:32: Aber, also ich gehe mal davon aus, dass da halt immer noch hintergetan ist.
01:43:37: Klar, Indien ist schon auch bekannt für Korruption.
01:43:41: Es könnte schon auch sein, dass er wieder frei ist, obwohl er erst im Vorurteilt wurde zu zehn Jahren.
01:43:47: Aber man kennt das ja auch, ne?
01:43:48: Gute Führung, vielleicht dann auch noch mal hier so ein bisschen ein Geldschein zugeschoben.
01:43:55: Also das hat mein Partner auch gesagt, ist halt was, was hier schon passiert.
01:43:58: Also das ist schon nochmal anders als es ... Ich glaub, nicht anders als es bei uns ist unbedingt.
01:44:03: Also ich glaube, bei uns wird das Ganze halt einfach vielleicht ein bisschen weniger thematisiert, aber es hat auch möglich.
01:44:09: Aber in Indien ... gerade in Ländern, wo es halt viel Armut gibt, ne?
01:44:14: Ja, ja.
01:44:15: Machen
01:44:15: Menschen halt auch mehr für Geld.
01:44:17: Ja.
01:44:18: Nicht jeder.
01:44:18: Auf gar keinen Fall jeder.
01:44:20: Also das will ich gar nicht sagen.
01:44:21: Aber es gibt halt einfach Leute, die dann vielleicht eine Familie zu ernähren haben und dann sagen die halt, na ja, so Samson, der Susa hat sich in Haft immer gut verhalten und setzen sich da dann vielleicht vor ein, ohne die Konsequenzen dessen halt zu sehen.
01:44:35: Also, das ist zumindest das, was mir hier aus ... in meinem Umfeld von Locals so ein bisschen berichtet wurde.
01:44:44: Ja, das klingt schon alles sehr, sehr heftig, finde ich.
01:44:48: Auf jeden Fall.
01:44:49: Und ich glaube tatsächlich, dass wir heute, wie immer, ich sage das immer, aber heute brauchen wir ganz unbedingt einen Gänsehautagomoment von dir.
01:45:00: Yes.
01:45:11: Und der heutige Moment kann ich schon mal sagen, der ist sehr, sehr krass und den hat uns die Liebe Karo geschickt.
01:45:17: Sie schreibt.
01:45:18: Ich war ein Teeniealter und wohnte noch bei meinen Eltern unter dem Dach in meiner kleinen Wohnung.
01:45:23: Eines Nachts träumte ich, dass ich wach wurde und aus dem Fenster sah.
01:45:28: Dort erkannte ich, dass im Hof unten noch Licht brannte.
01:45:31: Was sowohl im Traum als auch real sehr seltsam war, da meine Eltern immer sehr bedacht waren, alle Lichter draußen zu löschen und alle Türen zu verschließen, sobald alle Familienmitglieder zu Hause waren.
01:45:42: Ich ging also immer noch im Traum wohl gemerkt zum Fenster und schaute herunter.
01:45:47: Dort im Hof sah ich dann im Lichtschein einen schwarz gekleideten Mann mit Sturmhaube, der ruckartig zu mir hinauf sah und mich innerhalb von Sekunden mit einem Kopfschuss tötete.
01:45:57: Schweiß gebadet, wachte ich auf und schaute natürlich sofort zum Fenster.
01:46:03: Ja, richtig schlimm.
01:46:05: Und jetzt schreibt sie weiter.
01:46:08: Da erkannte ich, dass Licht im Hof brannte.
01:46:12: Ich konnte den Rest der Nacht nicht mehr schlafen und wag nämlich erst aufzustehen, als es hell wurde.
01:46:17: Nach einem kurzen Gespräch mit meinen Eltern wurde schnell klar, dass niemand wusste, warum im Hof das Licht die ganze Nacht brannte.
01:46:24: Sie waren sich beide so ein- tausend Prozent sicher, dass das Licht am Abend zuvor
01:46:29: nicht
01:46:29: an war.
01:46:30: Ja?
01:46:31: Also, wenn ich da sehen würde dann, wenn ich da aufwach und sehen würde, dass Licht im Hof brennt, da hätte ich auch kein Auge mehr zugemacht die ganze Nacht.
01:46:40: Ja, also ... Das würde mir genauso gehen und ich hätte aber auch auf gar keinen Fall rausgeschaut.
01:46:45: Also ich werde dann wirklich auch einfach wie angewurzelt da liegen geblieben.
01:46:49: Ja, weil wahrscheinlich das dann zu sehen, dass das Licht an war, das hat die Situation natürlich noch viel, viel schlimmer gemacht als es eh schon
01:46:55: war.
01:46:55: Ja, voll.
01:46:55: Das hat so ein Teil ihres Traums ja in die Realität mitgebracht.
01:47:00: Voll, ja.
01:47:01: Voll schlimm, also ganz furchtbar.
01:47:03: Und dann auch noch, dass die Eltern sagen, ne, ne, wir sind uns da wirklich hundert Prozent sicher, wir haben das Licht auf jeden Fall ausgemacht.
01:47:10: Boah, also, so wie du schreibst, wohnst du da ja auf jeden Fall nicht mehr, würde mich beruhigen.
01:47:17: Aber ja, es ist auf jeden
01:47:18: Fall ein
01:47:19: sehr heftiger Gänsehaut-to-go-moment.
01:47:21: Deswegen
01:47:21: vielen Dank auf jeden Fall fürs Zusenden.
01:47:24: Und generell, wir sind immer offen für neue Gänsehaut-to-go-momente.
01:47:28: Wir können davon nicht genug bekommen.
01:47:29: Deswegen schickt uns euren Gänsehaut-to-go-moment gerne an.
01:47:36: Yes, sehr, sehr gerne.
01:47:38: Und damit ... Würde ich sagen, sind wir am Ende der heutigen Folge angekommen.
01:47:42: Unsere Aufnahme ist schon sehr, sehr lang.
01:47:43: Wir hoffen natürlich, dass ihr alle nächsten Sonntag zum nächsten Spooky-Sunday wieder mit dabei seid.
01:47:51: Und bis dahin schöne Träume.
01:47:53: Bis dann.
01:47:54: Tschüss.
01:47:55: Tschüssi.
01:47:55: Hier werden wir auch wieder schreien können.
01:48:11: Ja, man, stimmt.
01:48:12: Nächsten Mal schreiben wir wieder.
01:48:15: Okay, bist du bereit?
01:48:16: Ja.
01:48:17: Ja, man.
01:48:18: Ich weiß gar nichts vom Fall.
01:48:19: Ich bin richtig gespannt.
01:48:21: Junge Freund, ich hab mich so plamiert, gell?
01:48:27: Manchmal mach ich das, wenn Raja heimkommt, dass ich mich dann doch versteck oder so.
01:48:33: Und den dann der Schreck.
01:48:35: Ja.
01:48:37: Und dann ist Raja runtergegangen, weil wir mussten unseren Host noch betahlen für die Unterkunft.
01:48:42: Ich weiß in welche Richtung.
01:48:44: Das ist zu bodenlos.
01:48:48: Mein Gott, ey.
01:48:49: Ja, wir mussten unseren Haus noch bezahlen.
01:48:51: Rata wollte dem so ein, zwei Sachen noch sagen.
01:48:53: Also, wir brauchen noch so einen Wischer für Spat, weil die Dusche eben ehrlich ist und lauter Zeug.
01:49:01: Dann ist er druntergegangen, hat es gemacht.
01:49:03: Dann hat es geklingelt bei uns.
01:49:04: Dann hab ich schnell die Tür aufgemacht.
01:49:07: Nein.
01:49:08: Lass mich verstecken.
01:49:14: Dann war das hier echt nur auf einmal so von draußen so ein ...
01:49:18: Hallo?
01:49:18: Das
01:49:20: war halt nicht so Rata.
01:49:22: Dann war das unser Caretaker, Gott sei Dank hast du ja nicht reingekommen.
01:49:24: Da bin ich halt hinter dem Super wieder vorgekommen, weil ich so, I'm coming!
01:49:28: Ich stand da und wollte mir diesen Wischer schon geben.
01:49:32: Du bist verbannt so rausgejammt zur Bu.
01:49:36: Ey, Boden, du stell
01:49:37: dir das mal vor, Mann.
01:49:39: Ich weiß auch wirklich, wild, gell?
01:49:42: Ist es dieses Imposter-Syndrom?
01:49:46: Wenn du denkst, du fängst nur, dass du was gut kannst?
01:49:49: Ja?
01:49:50: Ja.
01:49:51: Ich mach das jetzt seit fünf oder sechs Jahren und ich denke immer noch, ich kann da gut sprechen.
01:49:56: Irgendwann findet jemand draus, dass man das gar nicht kann, okay?
01:50:01: So Gedanken hab ich auch manchmal.
01:50:03: Ich hab das manchmal mit meiner Persönlichkeit, wo ich so denk, was wenn ich eigentlich voll der F*** und so.
01:50:09: Und die Leute
01:50:10: nur denken, ich find das so weiß, weil ich meine Bucher weiß, was wohl schön ist, aber ja.
01:50:15: Ja, ich fühl das.
01:50:16: Naja, okay.
01:50:18: Ich
01:50:20: kann auch das einfach lassen.
01:50:22: Ja, ich schreibe das
01:50:23: überall rein.
01:50:25: Spannend.
01:50:31: Ich hab das ja im Patan als Ohrwurm.
01:50:33: Wie kann man das als Ohrwurm haben?
01:50:36: Vor allem seit dem Patan.
01:50:37: Da fahren wir auf den Roller und ich sitze da Raja im Ohr mit...
01:50:46: Und er ist
01:50:49: so junger.
01:50:50: Das ist so von so einem Video, die ist in so einem Astronauten-Outfit und dann tanzt die da, eh, keine Ahnung, ich weiß es, mein Algorithmus ist ...
01:50:58: Wild.
01:50:58: Wild.
01:50:59: Ich schick dir es auf jeden Fall.
01:51:00: Ja, dann hab ich bestimmt auch, wo man dann sehen will, zu zweit.
01:51:05: Ja, Mann.
01:51:06: Okay.
01:51:06: Ich schloss jemand vorbeigeformen im Roller und war so, woa, woa, woa.
01:51:11: Und ich so, halt dein Maul.
01:51:16: Verpiss niemand.
01:51:19: Ich mein, ist nice, dass er eine gute Zeit hat.
01:51:21: I'm happy for you, but do it somewhere else please.
01:51:26: I'm okay.
01:51:32: We just do this to synchronize our audios, we're fine.
01:51:42: Cool.
01:51:42: Are
01:51:43: you okay?
01:51:45: Juicy.
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